Corona in Wilmersdorf

Spaziergang im Kiez, an der Grenze zwischen Wilmersdorf und Schöneberg (Friedenau). Man kommt an einem italienischen Restaurant vorbei und sieht die Zeltkonstruktion vor dem Lokal. "Gut gemacht!" sagt man sich, so kann der Wirt durch den Winter kommen. Man selbst geht ja gerne italienisch essen.

Dann schaut man in das kleine, vollständig gegen die Außenluft abgeschlossene Zelt hinein: An zwei langen Tafeln sitzen dicht gedrängt jeweils 14 Personen. Die Kellner, die ihnen bei der Enge im Zelt ganz nahe kommen, ohne Masken. Da wundert man sich nicht mehr, dass Berlin seit dem 08. Oktober Risikogebiet ist.

Wie dumm und rücksichtslos muss man sein, um sich so zu verhalten? Selbstverständlich hat sich auch der Eigentümer des Restaurants unverantwortlich benommen. Aber es sind die idiotischen Gäste, die das Virus hinaus in alle Welt tragen. Es ist wirklich unglaublich.


Dringend: Fällige Umbennungen Berliner Straßen und Plätze!

Hier besteht wirklich große Gefahr und daher sofortiger Handlungsbedarf! Man darf nicht auf halbem Wege stehen bleiben. "Mohrenstraße" umtaufen, schön und gut. Aber auch die Richard-Wagner-Straße und der Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg brauchen endlich andere Namenspaten. Wagner hatte zwar ein Händchen bei den Noten, war aber, wie bekannt, ein schlimmer Antisemit.

Das reicht aber bei weitem nicht. Neuberlinerinnen und Neuberliner, Ihr habt völlig recht: Die Bezeichnung "Unter den Linden" ist eine unerträgliche Diskriminierung. Die Initiative "Rettet die deutsche Baumkultur" weist seit Jahren darauf hin, dass Eichen, Birken, Eiben, Buchen, Ahorn, Eschen, Erlen, Fichten, Kiefern, Hasel, Tannen und Kastanien (um nur die bekanntesten Arten aufzuführen) mit Recht beleidigt sind. Es sollte daher, nein: es muss "Unter den Bäumen" heißen.

Und wie kann man heute, bitte schön, noch das Prädikat "Rotes Rathaus" aufrechterhalten? Nach all den Gräueltaten, die der Kommunismus in vielen Ländern der Erde zu verantworten hat! Mein Vorschlag wäre deshalb "Rathaus für alle Bürgerinnen und Bürger Berlins einschließlich aller existierenden Ethnien und selbsterklärten Minderheiten". Das ist zwar etwas lang, aber dafür politisch korrekt.

Natürlich müssen auch alle "Bismarck-Straßen" weg! Davon gibt es in Berlin fünf (plus eine Otto-von-Bismarck-Allee und ein Bismarckplatz). Kaum zu glauben: So weitverbreitet huldigt man bis heute dem Unterdrücker der Sozialdemokratie und kriegslüsternen "Eisernen Kanzler". Ich empfehle, da es ja viel zu wenig weibliche Straßennamen gibt, "Annette-von-Droste-Hülshoff-Straße". Klingt doch toll, oder?

Ja, man sieht es gleich: Es gibt noch viel zu tun bis das gesamte Straßennetz Berlins von allen schädlich-schändlichen Namen gereinigt ist. Hurra, wir entsorgen die Vergangenheit, ein- für allemal. Dann stört sie nicht mehr.

Eigentlich sollte man dafür eine Stabsstelle bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz einrichten. Bitte alle Änderungsvorschläge dann dort einreichen. Danke!


Sie haben es nicht verstanden!

Heute in der Schlange vor Butter Lindner in der Rüdesheimer Straße: Drei junge Leute, ein Mädchen und zwei Jungs um die 20, ganz dicht zusammen und in fröhlicher Konversation. Sagt der eine: "Der ganze Corona-Scheiß geht mir am A.... vorbei." Dann betreten sie lachend den Laden, obwohl ein nicht zu übersehender Hinweis darum bittet, dass sich jeweils höchstens drei Personen in dem kleinen Geschäftsraum aufhalten sollen. Es sind aber schon Kunden im Laden.

Als dann der Junge (Student!), dem Corona am A.... vorbeigeht, hinauskomplimentiert wird, stellt er sich vor das Schaufenster und winkt wie ein Bekloppter zu seinen Genossen.

Man will niemandem etwas Böses wünschen, aber in diesem Moment hätte ich am liebsten zu den drei Vollpfosten gesagt: "Kommt, wir gehen mal in ein Krankenhaus, in dem Corona-Infizierte behandelt werden."


Rom entdecken: Neuer Stadtführer hilft!

Zwischen der „Ewigen Stadt“ und Berlin gibt es enge Verbindungen (s.u.), aber auch erhebliche Unterschiede und auch glatte Gegensätze: Größe (Rom ist größer!), Alter, Verkehr (in Rom infernalisch), Zahl der Kirchen, ÖPNV (in Berlin besser!) etc. etc.

Seit langem ist die italienische Hauptstadt das Sehnsuchtsziel nicht nur der Deutschen. Jetzt ist ein neuartiger Reiseführer erschienen, der sehr nützlich dabei ist, die Stadt von Seiten zu sehen, die man eher noch nicht bzw. sicher noch nicht kennt: „Rom – 100 unbekannte und geheimnisvolle Orte“ (Reise Know-How Verlag, € 16,90). Ich war schon öfter dort und jedes Mal überwältigt. Bei der Lektüre des Buches habe ich sofort Lust bekommen, wieder gen Süden zu reisen und anhand der Hinweise auf Entdeckungsreise zu gehen.

Jeder Ort (Kirchen, Nekropole, Paläste u.v.a.) wird ausführlich beschrieben sowie auf Bedeutung und Zugänglichkeit hin eingeordnet. Dabei verwendet der Autor immer drei Doppel-Kategorien: „sehr interessant“, „außergewöhnlich“, „sensationell“ für den Stellenwert, „problemlos zugänglich“, „unklar oder selten, mit Anmeldung/Führung“, „schwierig bis sehr selten“ für den Zugang. Die große Mühe, die er sich damit gemacht hat, kommt dem nach Neuem gierigen Besucher sehr zugute!

Im Anhang des reich bebilderten Buches gibt es die Top 10 des Verfassers, eine kleine Auswahl von Restaurants und eine kompakte Aussprachehilfe für die Klippen der italienischen Phonetik. Ein Glossar der wichtigsten architektonischen Fachausdrücke bildet den Schluß. Alle Orte sind durch Markierung auf zwei Stadtplänen leicht zu finden.

Gesamturteil: vor der nächsten Rom-Reise unbedingt besorgen!

Wussten Sie es? Wer in Rom bei der Informationsstelle des ÖPNV („ATAC“, auf der Piazza dei Cinquecento vor dem Hbf Termini) seine BVG-Abokarte und seinen Ausweis vorlegt, darf sieben Tage kostenlos öffentlich fahren!


Wollen Sie ganz Berlin erkunden?

Dann hätte ich das passende Buch für Sie! Der Tagesspiegel-Journalist Jens Mühling hat - ja, man glaubt es kaum -  alle Ortsteile Berlins besucht und beschrieben.

Zur Erklärung: Unsere für den Neuling ziemlich unübersichtliche, weil nicht kleine Stadt besteht aus 12 Bezirken und eben aus 96 sogenannten Ortsteilen, z.B. im Bezirk "Charlottenburg-Wilmersdorf" die "Teile" Charlottenburg, Charlottenburg-Nord, Grunewald, Halensee, Schmargendorf, Westend und Wilmersdorf.

Mit dem neuen Buch in der Hand kann man die Tagesreisen von Mühling nachvollziehen und/oder selbstständig auf Schatzsuche in den Ortsteilen gehen. Das Spassige an den Texten: Der Autor setzt bewusst auf Subjektivität, strebt niemals Vollständigkeit an und erreicht gerade dadurch Authentizität. Seine Kurzporträts, nie länger als zwei (Buch-)Seiten, sind witzig und informativ zugleich.

Wenn Sie sich also, liebe Neuberlinerin, lieber Neuberliner, mit dem einzigartigen neuen "Stadtführer" auf den Weg machen, werden Sie einerseits die Beschreibungen und Bewertungen im Buch überprüfen, andererseits eigene Erfahrungen und Eindrücke hinzufügen können. Also eine sehr originelle, kreative Art der Stadterkundung!

 


Wirklich ein Skandal-Urteil (und nicht das erste in Berlin!)

Ab sofort gilt, richterlich autorisiert, in Berlin: Sie dürfen Ihre Mitmenschen mit den übelsten Schimpfworten belegen! Das ist vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. So hat zumindest das Berliner Landgericht geurteilt. Geklagt hatte Renate Künast. Sicher: Renate hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Aber die Beleidigungen in den unsozialen Medien haben das erträgliche Maß bei ihr (und auch bei anderen) überschritten. Und es hat sich wieder einmal gezeigt: Recht haben und Recht bekommen, das ist zweierlei!

Am besten Sie lassen Ihre Tiraden anonym ab, man weiß ja nie. Ich sage: Wenn es in Berlin so weitergeht in der Rechtsprechung, dann adieu vernünftige Umgangsformen, adieu Anstand und im weiteren Verlauf auch auf Wiedersehen Demokratie. Es fühlt sich, auch bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus durch die Justiz, ein wenig an, als käme Weimar wieder. Das meine ich als Historiker in vollem Ernst. Vorsicht!


Sie suchen einen (neuen) Job?

Dann müssen Sie sich, in den meisten Fällen jedenfalls, BEWERBEN. Schriftlich, heute oft auch per E-Mail. Es gilt, ein Anschreiben und einen Lebenslauf zu verfassen. Im günstigen Fall wird man zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Viele Bewerber denken: Ist doch ein Klacks, können wir doch! Und ein Vorstellungsgespräch? Na, da freuen wir uns doch darauf! Andere haben, sind wir ehrlich, einen Riesenbammel vor sämtlichen Stadien der Bewerbung.

Eine überzeugende Bewerbung verfassen und im Vorstellungsgespräch dann auch eine gute Figur machen? Dafür kann ich Ihnen den Bewerbungshelfer Gerhard Winkler wärmstens empfehlen: www.jova-nova.com.

Aus Neugierde habe ich an einem seiner Seminare teilgenommen. Ausgezeichnet. Und Winkler hat auf seiner Webseite 1000 Tipps für Anschreiben und Lebenslauf.

Also: Warum nicht auf Nummer sicher gehen und sich von ihm beraten lassen? Das kostet nicht die Welt und bringt Ihnen, möglicherweise, den gewünschten Job!

 


Neues Gebäude auf der Museumsinsel

Als Stadtführer war ich gestern dabei, als einer der Architekten aus dem Büro von David Chipperfield durch das neue Empfangsgebäude führte. Soll ich es sofort und ohne Umschweife sagen? Mir gefällt es nicht, ich finde es, im Unterschied zur Rekonstruktion des Neuen Museums, misslungen. Es verdeckt den Blick auf das Pergamonmuseum und das Neue Museum. Seine Architektur wirkt wie ein kalter Kontrapunkt zu den fünf Museen. Seine Funktion ist unklar: Soll es nach Ticketkauf und Abgabe der Garderobe nur ein Durchgang sein oder selbst ein Ausstellungs- und Veranstaltungsraum? Dementsprechend wird sich der künftige, desorientierte Besucher fragen: Ist dies der einzige Eingang zu den Museen? Muss, soll ich hier meine Eintrittskarte kaufen? Wenn ja, für welche Museen? Warum gibt es auch hier Ausstellungen, es soll doch nur ein Accueil sein oder doch mehr?

Gedacht war eine Verbindung, eine "Archäologische Promenade" auch zum Alten Museum und zum Bode-Museum. Diese Anbindung ist in weiter Ferne. Bislang kommt man nur, durch eine sehr kleine Pforte, ins Neue Museum und ins Pergamonmuseum, das noch ein Jahrzehnt lang Baustelle sein wird. Im Innern stößt einen der Kontrast zwischen französischem Nußbaumholz und nacktem Beton vor den Kopf. Es gibt merkwürdige digitale Informationsangebote zur Geschichte der Museumsinsel, die den Besucher eher überfordern als auf den Besuch der Ausstellungen einstimmen.

Aber sehen Sie selbst. Ab 13. Juli ist die neue "Galerie", nach dem jüdischen Mäzen James Simon benannt, für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist frei. Immerhin.


"Blau" heißt nicht nur "traurig"!

Es gibt im reichhaltigen Unterhaltungsangebot von Berlin ein Unikum, eine Veranstaltung, die genau die Vielfalt und Verrücktheit dieser Stadt veranschaulicht. Sie findet regelmäßig, immer an einem Montag, in den "Wühlmäusen" am Theodor Heuss-Platz in Charlottenburg  statt. Didi Hallervorden hat hier die beste Kabarettbühne Berlins etabliert. Der Name des einzigartigen Aufgalopps von Künstlern ? "Der blaue Montag"!

Präsentiert vom Altmeister Arnulf Rating treten Liedermacher, Trapezkünstler, Politkabarettisten, Poetry-Slammer und Jongleure in raschem Wechsel vor ein immer wieder begeistertes Publikum. Ein kleiner Tipp: Von oben sieht man besser, besorgen Sie sich Karten im Rang. Dort hat man mehr Platz, auch für das Gläschen Alkohol, das die Vorführung angenehm begleitet.

Die nächsten Termine

Montag, 14. Oktober 2019, Beginn: 20 Uhr und Montag, der 09. Dezember 2019, Start auch 20 Uhr.

Kartenpreise: 27,50 / 29,50 / 32,50 Euro

Karten-Telefon: 030-30 67 30 11

Ort: Berliner Kabarett-Theater Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, 14052 Berlin, U 2 Theodor-Heuss-Platz


Der beste Stadtführer für junge Leute und alle anderen Junggebliebenen

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Büchern für Berlin-Besucher. "Berlin für junge Leute" bzw. die englische Version ist ein besonders gelungener Stadtführer. Warum? Drei Punkte: Format, Inhalt, Preis.

Als ein Fan gut gemachter Sachbücher gerate ich ins Schwärmen, wenn ich die gerade erschienene Neuauflage durchblättere. Es beginnt mit einem knackigen Überblick zur Geschichte der Stadt. Dann kommen, sehr logisch und übersichtlich gegliedert, die Tipps zur Stadterkundung. Völlig zurecht wird dabei auf Fahrräder verwiesen, die man in der ganzen Stadt leicht ausleihen kann. Kulturelles  gibt es nicht nur in den vielen Museen, Theatern und Kino. Berlin ist die Stadt der Künstler und der Kunst und die gibt es überall, auch auf der Straße und in Privathäusern. Das Buch weist den Weg. Auch zu den Kiezen und Szenen, die immer eine Entdeckungsreise wert sind, weil sie so unterschiedlich sind.

Tolle Tipps für Ausflüge, Basisinfos ("Wichtiges") und ein kleiner Innenstadtplan samt S+U-Bahnnetz runden diesen nützlichen und handlichen Stadtführer ab. Das Beste aber: Die Texte taugen nicht nur für junge Leute! 284 Seiten geballte, gut lesbare und topaktuelle Info für 8,50 Euro. Leute, was wollt Ihr mehr?!

"Berlin für junge Leute", "Berlin for young people", Herden Veranstaltungs GmbH 2019, in jeder gutsortierten Buchhandlung erhältlich bzw. bestellbar.