Wirklich ein Skandal-Urteil (und nicht das erste in Berlin!)

Ab sofort gilt, richterlich autorisiert, in Berlin: Sie dürfen Ihre Mitmenschen mit den übelsten Schimpfworten belegen! Das ist vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. So hat zumindest das Berliner Landgericht geurteilt. Geklagt hatte Renate Künast. Sicher: Renate hat noch nie ein Blatt vor den Mund genommen. Aber die Beleidigungen in den unsozialen Medien haben das erträgliche Maß bei ihr (und auch bei anderen) überschritten. Und es hat sich wieder einmal gezeigt: Recht haben und Recht bekommen, das ist zweierlei!

Am besten Sie lassen Ihre Tiraden anonym ab, man weiß ja nie. Ich sage: Wenn es in Berlin so weitergeht in der Rechtsprechung, dann adieu vernünftige Umgangsformen, adieu Anstand und im weiteren Verlauf auch auf Wiedersehen Demokratie. Es fühlt sich, auch bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus durch die Justiz, ein wenig an, als käme Weimar wieder. Das meine ich als Historiker in vollem Ernst. Vorsicht!


Sie suchen einen (neuen) Job?

Dann müssen Sie sich, in den meisten Fällen jedenfalls, BEWERBEN. Schriftlich, heute oft auch per E-Mail. Es gilt, ein Anschreiben und einen Lebenslauf zu verfassen. Im günstigen Fall wird man zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Viele Bewerber denken: Ist doch ein Klacks, können wir doch! Und ein Vorstellungsgespräch? Na, da freuen wir uns doch darauf! Andere haben, sind wir ehrlich, einen Riesenbammel vor sämtlichen Stadien der Bewerbung.

Eine überzeugende Bewerbung verfassen und im Vorstellungsgespräch dann auch eine gute Figur machen? Dafür kann ich Ihnen den Bewerbungshelfer Gerhard Winkler wärmstens empfehlen: www.jova-nova.com.

Aus Neugierde habe ich an einem seiner Seminare teilgenommen. Ausgezeichnet. Und Winkler hat auf seiner Webseite 1000 Tipps für Anschreiben und Lebenslauf.

Also: Warum nicht auf Nummer sicher gehen und sich von ihm beraten lassen? Das kostet nicht die Welt und bringt Ihnen, möglicherweise, den gewünschten Job!

 


Neues Gebäude auf der Museumsinsel

Als Stadtführer war ich gestern dabei, als einer der Architekten aus dem Büro von David Chipperfield durch das neue Empfangsgebäude führte. Soll ich es sofort und ohne Umschweife sagen? Mir gefällt es nicht, ich finde es, im Unterschied zur Rekonstruktion des Neuen Museums, misslungen. Es verdeckt den Blick auf das Pergamonmuseum und das Neue Museum. Seine Architektur wirkt wie ein kalter Kontrapunkt zu den fünf Museen. Seine Funktion ist unklar: Soll es nach Ticketkauf und Abgabe der Garderobe nur ein Durchgang sein oder selbst ein Ausstellungs- und Veranstaltungsraum? Dementsprechend wird sich der künftige, desorientierte Besucher fragen: Ist dies der einzige Eingang zu den Museen? Muss, soll ich hier meine Eintrittskarte kaufen? Wenn ja, für welche Museen? Warum gibt es auch hier Ausstellungen, es soll doch nur ein Accueil sein oder doch mehr?

Gedacht war eine Verbindung, eine "Archäologische Promenade" auch zum Alten Museum und zum Bode-Museum. Diese Anbindung ist in weiter Ferne. Bislang kommt man nur, durch eine sehr kleine Pforte, ins Neue Museum und ins Pergamonmuseum, das noch ein Jahrzehnt lang Baustelle sein wird. Im Innern stößt einen der Kontrast zwischen französischem Nußbaumholz und nacktem Beton vor den Kopf. Es gibt merkwürdige digitale Informationsangebote zur Geschichte der Museumsinsel, die den Besucher eher überfordern als auf den Besuch der Ausstellungen einstimmen.

Aber sehen Sie selbst. Ab 13. Juli ist die neue "Galerie", nach dem jüdischen Mäzen James Simon benannt, für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt ist frei. Immerhin.


"Blau" heißt nicht nur "traurig"!

Es gibt im reichhaltigen Unterhaltungsangebot von Berlin ein Unikum, eine Veranstaltung, die genau die Vielfalt und Verrücktheit dieser Stadt veranschaulicht. Sie findet regelmäßig, immer an einem Montag, in den "Wühlmäusen" am Theodor Heuss-Platz in Charlottenburg  statt. Didi Hallervorden hat hier die beste Kabarettbühne Berlins etabliert. Der Name des einzigartigen Aufgalopps von Künstlern ? "Der blaue Montag"!

Präsentiert vom Altmeister Arnulf Rating treten Liedermacher, Trapezkünstler, Politkabarettisten, Poetry-Slammer und Jongleure in raschem Wechsel vor ein immer wieder begeistertes Publikum. Ein kleiner Tipp: Von oben sieht man besser, besorgen Sie sich Karten im Rang. Dort hat man mehr Platz, auch für das Gläschen Alkohol, das die Vorführung angenehm begleitet.

Die nächsten Termine

Montag, 14. Oktober 2019, Beginn: 20 Uhr und Montag, der 09. Dezember 2019, Start auch 20 Uhr.

Kartenpreise: 27,50 / 29,50 / 32,50 Euro

Karten-Telefon: 030-30 67 30 11

Ort: Berliner Kabarett-Theater Die Wühlmäuse, Pommernallee 2-4, 14052 Berlin, U 2 Theodor-Heuss-Platz


Der beste Stadtführer für junge Leute und alle anderen Junggebliebenen

Es gibt mittlerweile eine Vielzahl von Büchern für Berlin-Besucher. "Berlin für junge Leute" bzw. die englische Version ist ein besonders gelungener Stadtführer. Warum? Drei Punkte: Format, Inhalt, Preis.

Als ein Fan gut gemachter Sachbücher gerate ich ins Schwärmen, wenn ich die gerade erschienene Neuauflage durchblättere. Es beginnt mit einem knackigen Überblick zur Geschichte der Stadt. Dann kommen, sehr logisch und übersichtlich gegliedert, die Tipps zur Stadterkundung. Völlig zurecht wird dabei auf Fahrräder verwiesen, die man in der ganzen Stadt leicht ausleihen kann. Kulturelles  gibt es nicht nur in den vielen Museen, Theatern und Kino. Berlin ist die Stadt der Künstler und der Kunst und die gibt es überall, auch auf der Straße und in Privathäusern. Das Buch weist den Weg. Auch zu den Kiezen und Szenen, die immer eine Entdeckungsreise wert sind, weil sie so unterschiedlich sind.

Tolle Tipps für Ausflüge, Basisinfos ("Wichtiges") und ein kleiner Innenstadtplan samt S+U-Bahnnetz runden diesen nützlichen und handlichen Stadtführer ab. Das Beste aber: Die Texte taugen nicht nur für junge Leute! 284 Seiten geballte, gut lesbare und topaktuelle Info für 8,50 Euro. Leute, was wollt Ihr mehr?!

"Berlin für junge Leute", "Berlin for young people", Herden Veranstaltungs GmbH 2019, in jeder gutsortierten Buchhandlung erhältlich bzw. bestellbar.


Wie bleibt man in Berlin up-to-date?

Relativ einfach: Man abonniert den "Checkpoint" des Tagesspiegel! Worum handelt es sich dabei? Um einen Berlin-Newsletter, der werktäglich schon um 6 Uhr morgens direkt per E-Mail zugestellt wird. Bislang kostenlos. Jetzt gibt es die günstige, erweiterte Abo-Variante: monatlich für 6,90 Euro (im Jahres-Abo pro Monat 5,00 Euro). Eine Kurzfassung gibt es weiterhin unentgeltlich.

Nur noch Abonnenten bekommen künftig alle Exklusivgeschichten, den Comic „Berliner Schnuppen“ sowie den Zugang zur neuen Checkpoint-Website mit Archiv mit Suchfunktion und Stadtleben-Tipps auf interaktiven Karten (Geschenke, Berlinbesuch, Essen & Trinken).

Seit vier Jahren liefert das Team um Chefredakteur Lorenz Maroldt auf witzige Weise wertvolle, hochaktuelle Informationen zum Stadtgeschehen. Wer mit dem Checkpoint in den Tag startet, wird zudem nicht böse überrascht, weder von Demonstrationen noch von Baustellen oder Straßensperrungen wegen Veranstaltungen. Ein äußerst vielseitiges Informationsangebot, das es auch separat einmal wöchentlich für die 12 Stadtbezirke gibt. Am besten gleich registrieren und immer top informiert sein.


Sauerbruch - Wer oder was war er wirklich?

Man kennt seinen Namen. Man hat die Fernsehserie "Charité" (2. Staffel) gesehen. Man hat verstanden, dass dieser geniale Chirurg eine ambivalente Haltung zu den Nazis hatte. Aber woher kam er, wer war er wirklich?

Eine neue Ausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum, das sich nicht weit vom Hauptbahnhof auf dem Gelände der Charité in Berlin-Mitte befindet, zeigt den ganzen Sauerbruch, in seiner Vielgesichtigkeit, in seiner Größe und Schwäche. In Abwandlung des Titels seiner Autobiografie könnte man sagen: "Das war sein Leben."

Ein Besuch lohnt sich unbedingt. Dies gilt übrigens auch für die Dauerausstellung im Museum, die sich der Geschichte der Berliner Medizin widmet.

Details zum empfehlenswerten Begleitprogramm der Ausstellung: https://www.bmm-charite.de/veranstaltungen.html.


Weißt Du, wieviel Sternlein stehen?

Seit gestern wissen wir es. Auch in Berlin. Und für Berlin. Der Guide Michelin, zuverlässiger Ratgeber bei der Wahl deutscher Restaurants und Hotels, hat den Schleier gelüftet und den Blick freigegeben auf den eigenen, akribisch geprüften Sternehimmel.

Was ist für die Hauptstadt herausgesprungen? Diese vier Restaurants haben zum ersten Mal einen (1) Stern bekommen: "CODA Dessert Dining" in der Friedelstr. 47 (Neukölln), "Ernst" im Wedding (nur 12 Plätze!), "Kin Dee" in der Friedrichstr. 105 c in Mitte und "SAVU" am Ku´damm 160. Auf dem Foto sind die stolzen neuen Berliner Sterne-Köche zu sehen.

Wenig Neues bei den "Zwei-Sternen": "FACIL", "Horváth", "Lorenz Adlon Esszimmer", "Rutz" und "Tim Raue". Seit Januar 2019 nicht mehr dabei: das "Reinstoff" von Daniel Achilles. Die höchste Auszeichnung des Guide, eben die drei Sterne, blieb Berlin auch dieses Jahr versagt.

Der neue "Guide Michelin 2019 Deutschland" ist ab 4. März im Buchhandel erhältlich. Preis: € 29,95. Ebenfalls verfügbar ab diesem Datum: Der "Bib Gourmand Deutschland 2019" für € 17,90. Dabei geht es um Restaurants mit einem besonders günstigen Preis-Leistungs-Verhältnis und Schwerpunkt auf  regionaler Küche. Beide Restaurantführer sind sorgfältig recherchiert und übersichtlich gestaltet.


Ein bisschen Statistik

Interessante Zahlen aus dem Landesamt für Statistik: Die Dynamik des Zuzugs in die Hauptstadt lässt nach! Nachdem in den letzten fünf Jahren das positive Saldo (also die Differenz zwischen Weg- und Zuzug) sich immer in Größenordnungen von 40 000 bis 50 000 Personen bewegte, läuft es 2018 auf eine deutlich niedrigere Zahl hinaus. Während von Januar bis September 2018 insgesamt 133 400 Personen nach Berlin zogen, verließen 114 000 Personen die Stadt. Daraus ergibt sich ein sogenannter Wanderungsgewinn von 19 400 Personen. Ganz überwiegend waren es Ausländer, die für diese Erhöhung der Bevölkerungszahl sorgten!

Was bedeutet das? Offenbar fällt es den "Einwanderern" aus fremden Ländern (noch) leichter, die für Deutschland doch hohen Kosten für Miete oder für den Erwerb von Wohneigentum in Berlin zu bezahlen. Und es zeigt, dass unsere Stadt im Ausland nach wie vor als attraktiver Lebens- und Arbeitsmittelpunkt gilt. Zugleich wird die Verringerung des Bevölkerungswachstums eine Entspannung am schwierigen Wohnungsmarkt bringen, wenn auch nur eine kleine.

Es bleibt zu hoffen, dass die Anstrengungen, in Berlin mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, nicht nachlassen. Bislang ist hier zu wenig getan worden. Eine Verbesserung des Angebots wäre natürlich auch ganz im Sinne der Neuberliner, der jetzigen und der zukünftigen.


Wo war die Mauer?

Es ist die meistgestellte Frage der Berlin-Besucher. Und ich denke, sie treibt auch heute noch viele Neuberlinerinnen und Neuberliner um. Schließlich stößt man, wenn man hier lebt, immer wieder auf die Spuren dieses furchtbaren Bauwerks. Und erst kürzlich wurde ein bislang unbekanntes Stück Mauer in der Nähe der neuen Zentrale des Bundesnachrichtendienstes entdeckt.

Vor zwei Tagen jährte sich der Todestag des letzten Maueropfers zum 30. Mal: Chris Gueffroy war 20 Jahre alt, als er am 05. Februar 1989 in der Nähe der Britzer Allee Brücke beim Fluchtversuch erschossen wurde. Im Fernsehen lief am 03. Februar eine sehr eindrucksvolle und bewegende Dokumentation, die man sich ab heute noch drei Tage lang in der rbb-Mediathek anschauen kann. Titel: "Das kurze Leben des Chris Gueffroy". Insgesamt geht man davon aus, dass in Berlin 140 Menschen getötet wurden, als sie versuchten, die Mauer zu überwinden.