Die Neunziger sind wieder da

Berlin nach dem Mauerfall: Eine wilde, widersprüchliche Zeit. Zwei Stadthälften werden wieder zusammengeklebt. Das dauert und in der Zwischenzeit gibt es Freiräume, die genutzt werden: Häuser werden besetzt, in Kellern und verlassenen Gebäuden wird Party gemacht. Nach und nach verschwindet die Mauer aus dem Stadtbild, aus den Herzen verschwindet sie nicht so schnell. Neue Leute kommen in die Stadt, es wird geplant und gebaut, gehofft und auch gebangt.

Mancher Berliner, in West und in Ost, tut sich schwer mit der rasanten Veränderung. Dies alles passiert in den 1990er Jahren. Eine neue multimediale Ausstellung greift dieses Thema auf. Gleich zu Beginn zeigt eine riesige Projektion die passenden Bilder: Helmut Kohl, Hausbesetzer und HipHopper. Der Lärm dazu hilft nicht unbedingt. Natürlich wird an die Mauer und an die Toten erinnert, allerdings in sehr drastischer Weise. Dreizehn Zeitzeugen, darunter Gregor Gysi und Inga Humpe, erzählen ihre Neunziger in Berlin. Im Raum „Lost Berlin“, einem Labyrinth mit vielen Sackgassen,  lässt sich der Techno-Sound über Touchscreens abrufen, Stichwort „Love Parade“. Schließlich bietet die Abteilung „Shop the Nineties“ neonfarbenen Nippes an, der den Besucher etwas ratlos zurücklässt.

Nineties Berlin, 4. August bis Februar 2019, täglich 10 bis 20 uhr, Alte Münze, Molkenmarkt 2, Eintritt 12,50 Euro, ermäßigt 8,50 Euro, nineties.berlin.