Berlin

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Neuigkeiten für Neuberliner

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 9: Dünne Blätter - Keine Hauptstadtzeitung in Sicht

Am ehesten hätte man es dem liberalen Tagesspiegel zugetraut: nach dem Mauerfall zu einer wirklichen Zeitung für die Hauptstadt zu mutieren. Leider ist die Zeitung statt besser immer schwachbrüstiger geworden und konkurriert vom Umfang her inzwischen mit dem dünnsten Buch der Welt ("Über die Heldentaten der italienischen Armee im 2. Weltkrieg").
Die Berliner Zeitung ist keine Alternative. Dort schreiben mehr und mehr Praktikanten schlechte Artikel. Es wird gespart, auf Kosten der Qualität. Der Chef hat die Parole ausgegeben: "Schreibt provokant!" Das Resultat ist deprimierend.
Der Berliner Morgenpost (in Fachkreisen: "Mottenpost") kann man immerhin einen ausführlichen Lokal-Teil gutschreiben. Ansonsten hat das Springer-Blatt wenig zu bieten, was es in eine Reihe mit Süddeutscher Zeitung (SZ) oder FAZ befördern könnte.
Ja, liebe Neuberliner, was bleibt also übrig, wenn man sich nicht täglich neu über die provinzielle, inhaltlich armselige und vordergründige Berichterstattung in den einschlägigen Berliner Zeitungen ärgern will (taz und Neues Deutschland lassen wir mal ganz außen vor)? Ein kleiner Tipp: Die SZ bietet ein Wochenend-Abo (Freitags- und Samstagsausgabe). Damit kann man den Frust ein wenig lindern.

Demnächst: 10. und letzter Teil / Wir brauchen kein Schloss in der Republik - irrwitziger Wiederaufbau

Berlin vom Berg aus

Neuberliner, Du bist nicht allein, auf weiter Flur. Ein "Kollege" aus dem Land der hohen Berge hat ein witziges Kompendium seiner Erfahrungen mit dieser Stadt verfasst. Ich lege es allen Zugezogenen ans Herz.

Buchbesprechung

Viele Wege führen durch Berlin, aber kann man die Hauptstadt auch erklimmen? Der Eidgenosse Till Hein hat es versucht. Erlebnisse und Ergebnisse einer zehnjährigen Bergtour hat er unter passendem Titel veröffentlicht: „Der Kreuzberg ruft – Gratwanderungen durch Berlin“.

Hein kommt 2002 aus Basel als Journalist nach Berlin. Im mentalen Gepäck die Vorstellung, sich vom Kreuzberg aus die bunte Welt der Metropole auf Schweizer Art erschließen zu können. Aber auch er muss sich erst einmal den Mühen der Ebene stellen. So absolviert er zunächst den klassischen Berliner WG-Kreuzweg mit absonderlichen Mitbewohnern in prekären baulichen Verhältnissen. Schließlich landet er in einer Hardcore-Vegetarier-Wohngemeinschaft. Beruflich ist die Hauptstadt am Anfang für den tapferen Till kein Aufstieg: Statt über das wilde Berliner Nachtleben muss er über die Schweizer Schulreform schreiben. Also durchstreift er lieber die Stadt, immer auf der Suche nach einem Gipfel, den man besteigen könnte. An seiner Seite andere Neuberliner wie die Schmuckdesignerin Amanda aus Florida. Schließlich gibt er sich zufrieden mit den Rixdorfer Höhen und dem Teufelsberg, immerhin 115 Meter hoch, und lässt sich auf die Verrücktheit seiner neuen Heimat ein.

Die Episoden, die Hein erzählt, sind Etappen einer Annäherung, die nicht leicht gefallen ist. Aneinander gereiht ergeben sie ein kurzweiliges road movie durch Berlin. Der Ton ist lakonisch, der Inhalt abwechslungsreich: Da trifft sich der Autor mit einer Duftforscherin zum Interview und hat zuvor eine Hundemine übersehen. Er testet die Berliner Saunalandschaft, sein Entdeckerdrang treibt ihn gar bis vor die Tore der Stadt, ins Tropical Island. Im Winter schnallt er die Langlauf-Skier an und gleitet über das Tempelhofer Feld. Dann geht aber auch Heins Dasein als Einzelkämpfer in der Großstadt zu Ende: Er gründet eine Familie, bekommt Nachwuchs, der ihn „zur rechten Hand einer jungen, aufstrebenden Persönlichkeit macht“.

Mit seinem ersten Buch ist dem Journalisten, dessen leider eingestellte Neuberliner-Kolumne im TAGESSPIEGEL man gerne las, ein sehr persönliches Porträt des Schweizers im „Schwoobeland“ gelungen. Spaß macht beim Lesen nicht nur die Unverdrossenheit, mit der Hein seinen Parcours als Neuling in Berlin erledigt und beschreibt. Neben lustigen, gut nachvollziehbaren Anekdoten aus dem Nähkästchen eines Neuberliners erzählt der Autor auch viele spannende Geschichten von der unverwüstlichen Stadt Berlin und ihren ulkigen Bewohnern. Fazit deshalb: Hein liefert nicht nur Witz, sondern auch Wert.

Till Hein: Der Kreuzberg ruft, be.bra Berlin, 254 Seiten, 14,95 Euro.

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 8: Unwillige Migranten

Gar keine Frage: Ausländer sind willkommen als Bürger von Berlin. Sie leisten einen erheblichen Beitrag auf vielen Feldern, in Wirtschaft und Kultur. Sie sind Teil dieser Stadt. Aber es gibt unleugbare Probleme mit der Integration, vor allem bei türkischen und arabisch-stämmigen Menschen.
Özcan Mutlu, bildungspolitischer Sprecher der Berliner Grünen, hat neulich eine Sprachoffensive für Berlin gefordert. Er übersieht dabei das Wichtigste: die Tatsache, dass die sprachliche Integration ausländischer Mitbürger und ihrer Kinder nicht nur eine Holschuld Berlins, sondern hauptsächlich eine Bringschuld der Zugewanderten ist.
Folgendes Erlebnis: Eine vietnamesische Mutter sagt ihrer kleinen Tochter im Kinderwagen beim Spaziergang die Zahlen auf Deutsch vor. Ganz geduldig. Das Kind wiederholt. Wenn gleichzeitig große Werbeplakate in Kreuzberg in türkischer Sprache verfasst sind, zeigen sich hier ganz deutlich die Unterschiede zwischen den in Berlin lebenden Ausländern und die damit zusammenhängenden gravierenden Fehlentwicklungen.
Absurd ist bei Mutlu zudem die Vorstellung, Berlin könne wie aus einem Füllhorn weiter Geld für multikulturelle und multilinguale Schulen bereitstellen. Er kennt offenbar die finanzielle Situation der Stadt nicht. Es klingt hart, aber stimmt dennoch: Wer der deutschen Sprache nicht mächtig ist, muss von sich aus alles tun, um sie zu lernen. Angebote sind reichlich vorhanden, Eltern haften für ihre Kinder. Dies gilt übrigens nicht nur für Ausländer in Berlin.

Demnächst: Teil 9 / Dünne Blätter - Keine Hauptstadtzeitung in Sicht

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 7: Vandalen in der Stadt

Am Gleisdreieck wurde im September 2011 ein schöner neuer Park eingeweiht. Drei Wochen später waren die Bänke schon flächendeckend mit Graffiti "verziert" und die Naturschutz-Schilder aus dem Boden gerissen. Den U-Bahnhof Kurfürstendamm hat man vor kurzem aufwändig saniert. Vandalen haben ihn schnell wieder in seinen traurigen vorigen Zustand zurückverwandelt.
Die Deutsche Bahn und die BVG müssen jedes Jahr über 15 Millionen Euro ausgeben, um die mutwilligen Zerstörungen von Fahrzeugen und Einrichtungen zu reparieren, Berlins Vermieter zahlen jährlich 48 Millionen Euro für die Beseitigung von Graffiti und sonstigen Beschädigungen ihrer Häuser.
Neuberliner, es genügt, einmal quer durch die Stadt zu fahren, um sich selbst ein Bild zu machen. Wir, die wir mit Bürgersinn ausgestattet sind, müssen uns wehren gegen die Idioten, die unsere Stadt kaputt machen. Aktionen wie zuletzt "Saubere Stadt " (siehe TAGESSPIEGEL) sind ein guter Anfang, weitere Zusammenschlüsse von Bürgern wünschenswert.
Es klingt nach Blockwart, aber geht nicht anders: Meldet es der Polizei bzw. der Bahn und der BVG, wenn Ihr Vandalen bei ihrem Treiben beobachtet. Null Toleranz für Stadtzerstörer!

Demnächst: Teil 8 / Unwillige Migranten

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 6: Mythos Multikulti

Seit vielen Jahren gehen speziell in Berlin die Bannerträger des Gutmenschentums mit einer Vorstellung vom Zusammenleben der Kulturen hausieren, die in der Praxis nicht funktioniert, nicht funktionieren kann.
Auszug aus einem Interview mit dem langjährigen Leiter der Berliner Stadtmission, Pfarrer Hans-Georg Filker:
Frage: "Was assoziieren Sie mit dem vielstrapazierten Begriff "Multi-Kulti"?
Antwort: "Traumtänzerei! Das funktioniert nur dort, wo durch einen guten Zufall echte Beziehungen zwischen den Ethnien wachsen. Diejenigen, die das als Ziel fordern oder als erreichten Zustand feiern, nähern sich einer anderen Ethnie überwiegend wie einer Reisebekanntschaft. Man muss dann gar nicht mehr auf die Bahamas fahren, denn man hat den Reggae ja schon hier. Oder man isst einen Döner und fühlt sich solidarisch mit der Türkei. Darin liegt eine völlige Verkennung der Ernsthaftigkeit und der Wirkung kultureller Wurzeln."
Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.
Zitat aus: Manuela Arand/Thomas Knuth. Berlin 1989-2009, eine Bilanz in 12 Gesprächen. Berlin Story Verlag 2009.

Demnächst: Teil 7 / Vandalen in der Stadt

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 5: Anspruchsdenken trotz leerer Kassen

Hier mal ein kleines Stadtschlösschen in Mitte (auch Berlin zahlt dafür!), dort eine neue Zentral- und Landesbibliothek auf dem Tempelhofer Feld. Natürlich auch kostenlose Kitaplätze und Kultur und Bildung zum Nulltarif.

Aber das ist nicht genug: Jeden Tag wacht in dieser Stadt jemand auf und ruft nach mehr Geld vom klammen Land (demnächst 63 Milliarden Euro Schulden). Jeder und alles soll in Berlin finanziell gefördert werden, trotz der dringenden Notwendigkeit zum Sparen bei den Ausgaben angesichts des gewaltigen Defizits.

All den unverschämten Anspruchstellern sollte man einen Ausspruch John F. Kennedys ins Stammbuch schreiben: "Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, frage, was Du für Dein Land tun kannst". Lieber Neuberliner: Es ist an der Zeit, dass wir auch in dieser Hinsicht frischen Wind in die Hauptstadt tragen.

Demnächst: Teil 6 / Mythos Multikulti

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 4: "Alte" Wessis - "alte" Ossis

Vor 23 Jahren fiel die Mauer. Dumme Redeweise. Sie fiel nicht. Sie wurde umgestoßen. Von den Brüdern und Schwestern im Osten.
Leider, liebe Neuberliner, steckt sie aber immer noch in vielen Köpfen, in östlichen und westlichen. Immer noch gibt es Ostberliner, die sich zurücksehnen in die Zeit, in der der Staat alles regelte, was man zum Leben braucht.
Dieser Versorgungsmentalität entspricht auf Westberliner Seite eine Subventionsmentalität: Man hing - gerne - am Tropf der Bundesrepublik und hatte sich gut eingerichtet in seinem Eingemauertsein. Als der Vorhang dann hochging und der privilegierte Status verschwand, war die anfängliche Freude über die Wiedervereinigung rasch vorüber.
Sicher, diese beiden Phänomene sind nur bei älteren Einwohnern Berlins anzutreffen. Man tut aber gut daran, sich klarzumachen, woher manche merkwürdige Äußerung und Haltung kommt. Vorsicht vor allem auch am Arbeitsplatz: Sind "alte" Wessis oder "alte" Ossis an Bord, sollte man sich genau überlegen, was man aus Neuberliner Sicht zur jüngsten Geschichte Deutschlands sagt.

Demnächst: Teil 5 / Anspruchsdenken trotz leerer Kassen

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 3: Rücksichtslose Radler

Selbst erlebt vor kurzem: Junge Frau mit Kind auf dem Fahrrad in Prenzlauer Berg. Munter fährt sie auf dem Bürgersteig und über rote Ampeln. Man möchte vor Wut schreien über so viel Dummheit und Verantwortungslosigkeit.

Oder: Fahrradkurier brettert full speed über den Kaiserdamm. Ein Bus mit Touristen aus Frankreich hat angehalten. Eine ältere Frau steigt aus und kann sich nur durch einen Sprung beiseite vor dem rasenden Vollidioten retten. Die Frau liegt mit Schürfwunden am Boden. Der dämliche Rabauke hält nicht einmal an. Mehr Beispiele gefällig: http://www.spiegel.tv/#/filme/fahrradkrieg-berlin/.

Neuberliner, fahrt Fahrrad, so oft es geht. Es ist billig, gesund und macht gute Laune (wissenschaftlich erwiesen). Aber, bitte, respektiert die Regeln und bewegt Euch mit Vor- und Rücksicht durch den Verkehr.

Demnächst: Teil 4 / "Alte" Wessis - "alte" Ossis

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 2: Unfreundliche Dienstleister

Es kann die Verkäuferin sein, die erst grimmig schaut und Euch dann den Rücken zudreht. Oder der Mann auf der Behörde, der Besucher für Rekruten hält und folgerichtig im Feldwebelton kommuniziert. Oft ist es auch der Kellner, dessen Arroganz nur von seiner Unfähigkeit übertroffen wird. Sie alle haben bis heute nicht begriffen, dass ihr Gehalt nicht vom Chef, sondern vom Kunden bezahlt wird.

Neuberliner, auf diese netten Zeitgenossen müsst Ihr in Berlin gefasst sein. Lasst Euch nichts gefallen. Gebt Kontra, besteht auf Eurem Recht, anständig bedient zu werden.

Klar, in der großen Stadt hat man wenig Zeit und der Ton ist naturgemäß etwas rauer als anderswo. Aber Berlin hat in puncto Freundlichkeit und Kundenorientierung noch eine ganze Menge dazuzulernen. Am Pariser Platz, dem Wohnzimmer der Stadt, gibt es eine Bäckerei, die viele Kunden hat, die kein Deutsch sprechen. Darauf hat man sich bis heute nicht eingestellt und bedient die Gäste tapfer im Berliner Idiom ("Hamwa nich"). Nur ein Beispiel von leider immer noch vielen.

Demnächst: Teil 3 / Rücksichtslose Radfahrer

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 1: "Linke" Spießer

Sie glauben, die Stadt oder Teile davon gehören ihnen.

Sie verhindern, dass ein harmloses Zukunftslabor in Kreuzberg tagt. Was hätte die Initiative ihnen wegnehmen können?
Sie schimpfen auf Touristen, die in ihr Revier eindringen. Was wäre die Stadt wirtschaftlich ohne die Besucher?
Sie wehren sich gegen die Ansiedlung von Arbeitsplätzen an der Spree. Wie wollen wir die immer noch hohe Arbeitslosigkeit in Berlin reduzieren?

Sie? Wer sind "sie"? Es sind Menschen, die sich als fortschrittlich aufspielen. In Wahrheit sind sie traurige Reaktionäre, Besitzstandswahrer, denen man das Prädikat "links" zu Unrecht verleiht. Die Stadt, die sich verändert, ist ihnen ein Ärgernis. Änderungen stören sie in ihrer Behaglichkeit, die sie vielfach nicht eigener Arbeit, sondern staatlicher Unterstützung verdanken.

Sie nerven in Berlin.

Demnächst: Teil 2 / Unfreundliche Dienstleister

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