Berlin

Beginners' Blog

Neuigkeiten für Neuberliner

Gayle Tufts hilft gegen den Winterblues!

Neuberliner, falls Ihr sie noch nicht kennen solltet: Die amerikanische Entertainerin ist das beste Gegengift bei saisonbedingter Missstimmung. Sie hat es einfach drauf: In der wunderbaren Location TIPI - Das Zelt nahe am Bundeskanzleramt singt und springt und tanzt sie jedwede schlechte Laune weg.
Titel von Carole King wärmen das Herz, guter alter Rock ´n` Roll bringt den Kreislauf in Schwung. Unterstützt wird die quirlige Dame aus Massachusetts, die mit ihrer Mischung aus Deutsch und Englisch ("Denglisch") zwischen den Songs auch immer wieder Pointen setzt, von einer tollen Combo und zwei jungen Tänzern/Sängern (männlich und weiblich), die einen würdigen Rahmen für die kraftvolle Show abgeben.
Noch bis zum 20. Januar. Unbedingt hingehen!
Infos: http://www.tipi-am-kanzleramt.de/de/programm-tickets/

Auf ein neues!

Allen Neuberlinern, also diesen todesmutigen Menschen, die sich in die Höhle des Wowi gewagt haben, gelten meine besten Wünsche für 2013.

Keine Angst, es wird kein Unglücksjahr und für Unterhaltung aller Art ist immer bestens gesorgt in Berlin. Eine Empfehlung: Versuchen Sie nicht, diese Stadt zu verstehen. Ein solcher Versuch könnte Sie nämlich in die Verzweiflung stürzen.

Nutzen Sie einfach das vielfältige Angebot, entdecken Sie neue Ecken und fahren Sie einmal ins "Umland". Dort ist es nämlich auch sehr schön. Noch rasch ein Buchtipp zum Jahresanfang: Wilfried Rott. Die Insel - Eine Geschichte West-Berlins 1948-1990. Verlag C.H. Beck, München 2009.

Ihr
Thomas Knuth

Liebe und ihre Grenzen

Wieland Giebel, den meinen Freund zu nennen ich mich glücklich schätze, hat neulich im Stadtmagazin Zitty gesagt, dass seine Liebe zu Berlin unerschütterlich sei. Der rührige Verleger, Buchhändler und Autor mit Berlin-Themen lässt sich auch von Mega-Blamagen wie Schönefeld nicht beirren.

Nun lebt Herr Giebel einige Jahre länger als ich in Berlin und kennt die Stadt und ihre Eigenheiten bestimmt besser. Ich bin dennoch nicht seiner Meinung: Es hat sich inzwischen in der Art, wie man unsere Stadt regiert und verwaltet, eine Wurstigkeit und Beliebigkeit entwickelt, die auch den größten Liebhaber nachdenklich machen müsste. Es herrscht eine Schlamperei, die jeden, der dieser Stadt mit ihrer bis heute schwierigen Situation Sympathie entgegenbringt, wütend machen muss.

Schönefeld ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Mit einer Mischung aus Gigantonomie und himmelschreiender Inkompetenz werden beim Neubauen und beim Restaurieren reihenweise Millionen Euro Steuergelder in den märkischen Sand gesetzt. Wer glaubt denn noch an Märchen und daran, dass das Stadtschloss unter 1 Milliarde zu haben sein wird?!
Die Politik, die man hier seit längerem macht, gibt insgesamt keine erkennbare Richtung vor für die Zukunft Berlins. Überall wachsen abstruse Klötze in den Himmel, man vermisst ein Leitbild und die ordnende Hand einer kritischen Rekonstruktion á la Kleihues und Stimmann.
Die wirtschaftliche, städtebauliche, kulturpolitische Entfaltung der Stadt und ihres Potentials wird durch ein provinzielles und dilettantisches Sammelsurium von ad-hoc-Maßnahmen nicht gefördert, sondern behindert. Man wurstelt vor sich hin und hat keinen wirklichen Begriff davon, wohin die Reise gehen soll. Es wird bloß reagiert, nicht regiert. Der Verweis auf das attraktive Image Berlins und den anhaltenden Boom ist nicht ausreichend.

Wo und wie sollen die Menschen wohnen, die Berlin in den nächsten Jahren zu ihrem Lebens-Mittelpunkt machen? Was wird aus den noch reichlich vorhandenen Freiflächen in der Stadt? Wie stellen wir sicher, dass die Bezirke die essentielle Infrastruktur erhalten können? Und wie verhindern wir, dass sich immer größere Parallelgesellschaften bilden? Es fehlt in Berlin an bezahlbaren Wohnungen, es gibt jede Menge ungenutzte Brachen, den Bezirken haben kein Geld für die nötigsten Reparaturen und von gelungener Integration kann bei vielen ausländischen Mitbürger weiß Gott nicht die Rede sein.
All dies nicht erst seit gestern. Dennoch geben die uns Regierenden auf diese und auf weitere wichtige Fragen bis heute keine befriedigenden Antworten. Darüber kann man nicht glücklich sein, bei aller Liebe.

Sie leben, sie leben noch!

Wer hätte es gedacht? Peter Alexander, der Wiener Charmebolzen, Mireille Mathieu, die Heulboje aus Frankreich, Heintje und Roy Black: Es gibt sie noch, sie sind nicht tot zu kriegen! Woher ich das weiß? Ich habe sie selbst gesehen und gehört. Gestern Abend und schon zum zweiten Mal. Wo denn? In der Bar jeder Vernunft.

Die Show von Ursli und Toni Pfister ist absoluter Kult. Wie sie es schaffen, die spießige Schlagerzeit der 60er und 70er Jahre auf die kleine Bühne der Bar zurückzubringen, ist wirklich einmalig. Wir haben auch beim zweiten Besuch Tränen gelacht. Bei Peter Alexander ("Die kleine Kneipe") stimmt jede Geste, jeder Gesichtsausdruck. Und wenn Mireille ("Akropolis adieu") ihr Breitwand-Lächeln aus 64 Zähnen aufsetzt, gibt es kein Halten im Publikum mehr. Das ist ganz große parodistische Kunst. Und erstaunlich gut auch vom Gesang und von der Musik her (wunderbar das Begleit-Trio von Jo Roloff).

Der unvergessliche Abend wird noch bis 31.12. wiederholt. Schnell buchen, denn die Klasse der beiden Pfisters spricht sich herum.
http://www.bar-jeder-vernunft.de/de/programm-tickets/e/ps/sev/pv/pid/33/

Erholung im Spreewald

Das Zauberwort heißt "Entspannung", der Zauberort "Zur Bleiche - Resort und SPA". Was verbirgt sich hinter diesem rätselhaften Namen? Kurz gesagt, das beste Wellness-Hotel in ganz Brandenburg. Man fährt nur eine gute Stunde von Berlin aus in südostliche Richtung und gelangt in das Spreewald-Städtchen Burg. Am Ortsrand liegt, in buchstäblich beruhigender Entfernung von der Straße, der ausgedehnte Hotelkomplex. Keine Angst: Es handelt sich um keine Bettenburg, sondern vom Ursprung her wirklich um eine Entfärbungsfabrik, die auf Friedrich den Großen zurückgeht.

In der DDR-Zeit ein Ferienheim des FDGB, wurde die Anlage 1992 vom Ehepaar Clausing übernommen und sukzessive ausgebaut. Heute verfügt das Hotel über 90 Zimmer, die insgesamt 180 Gäste beherbergen können. Die gleiche Zahl von Mitarbeitern steht bereit, um das erholungssuchende Publikum aus ganz Deutschland zu umsorgen. In drei verschiedenen Restaurants wird mit Konstanz und Liebe eine bodenständige und dennoch einfallsreiche Kochkultur gepflegt. Kulinarisches Highlight ist das vielfach prämierte Gourmet-Lokal "17fuffzig" (1. Michelin-Stern 2008).

Aktive Entspannung bietet der Wellness-Bereich, die sog. Landtherme: ein ansprechend gestalteter, ausgedehnter Schwimm- und Relaxbereich mit zwei Innen- und einem Außenpool und drei verschiedenen Saunen. Darüber liegen die Räumlichkeiten für Massage, Kosmetik und Wohlfühlbehandlungen. Hier kann man wirklich zur Ruhe kommen.

Auf den ersten Blick könnten die Preise des Hotels vielleicht abschrecken. Sicher, der ganze Spaß ist nicht billig. Aber aus mehrjähriger Erfahrung kann ich Ihnen versichern, dass das Hotel jeden Euro wert ist. Das Personal ist überaus freundlich und kompetent. Die Küche zaubert jeden Tag aufs Neue. Und wer sich in der Therme nicht nachhaltig entspannt, dem ist schwer zu helfen.
Auch und gerade im Winter ist "die Bleiche" für ein Wochenende (oder länger!) der ideale Ort, um sich verwöhnen und in eine wunderbare wohlige Stimmung versetzen zu lassen. Meine Frau und ich haben noch keinen Besuch bereut. Ganz im Gegenteil.
www.hotel-zur-bleiche.com

Restaurant-Tipp: Luxemburg in Charlottenburg

Man ist ja immer auf der Suche in dieser großen Stadt nach einem kleinen guten Restaurant. Wo man nett bedient wird, sich wohl fühlt und zu annehmbaren Preisen isst und trinkt. Hier ist eines, das uns sehr gefallen hat. Küche und Weine aus Luxemburg. Der Name kommt auch von dort: "De Maufel". Das heißt soviel wie "Mund voll", auch etwas derber "Maul voll".
Ursprünglich nur ein Feinkostladen gibt es mittlerweile ein paar Tische und eine überschaubare Mittags- und Abendkarte, deren Speisen aber enorm munden. Wir (vier Personen) hatten Austern, ein Erbsensüppchen, Lachs und Kabeljau, Fois gras und einen Flan vom Rosenkohl. Natürlich ist die Nähe Frankreichs in der Küche spürbar, aber nicht erdrückend. Man hat sich durchaus eine eigene Note bewahrt.
Ausgezeichnet auch die Weine aus dem Großherzogtum, vor allem sortenreine, trockene Weissweine. Unser Favorit war ein "Rivaner" (Müller-Thurgau). Aber auch die Rieslinge ließen sich wunderbar trinken. Der Chef kredenzte zum Abschluss einen ganz besonderen Himbeergeist.
Probieren Sie es aus, das gemütliche Lokal in der Leonhardtstraße in Charlottenburg, nicht weit vom S-Bahnhof entfernt.
http://de-maufel.com/

Die Mauer und der Kalte Krieg

Meistgestellte Frage von Berlin-Besuchern: "Wo war die Mauer?" Es ist, als wolle man das Schicksal der Flüchtenden wie der Ausharrenden aus den übrig gebliebenen Bruchstücken erspüren und sich gemeinsam der Erleichterung versichern, dass auch dieses grausame Bauwerk schließlich zum Einsturz gebracht wurde.

Wer sich ein Bild machen will, wie der Alltag in Berlin aussah, als die Mauer noch stand, der sollte unbedingt ins Panorama am Checkpoint Charlie gehen. Wiederum ist es dem iranischen Künstler Yadegar Asisi gelungen, mit viel Liebe zum Detail eine Nachbildung zu schaffen, die äußerst authentisch und aufschlussreich wirkt. Von der Empore im Innern des Rundgebäudes blickt man von der Kreuzberger Seite über die Mauer Richtung Osten. Ich habe Menschen, die zu Mauerzeiten in Berlin lebten, im Panorama weinen sehen. Infos: http://www.asisi.de/index.php?id=103.

Es ist zu empfehlen, den Besuch des aufwändig gestalteten Mauer-Ausschnitts mit der Ausstellung zum Kalten Krieg in der sogenannten Black Box zu verbinden. Vom Panorama sind es nur wenige Schritte. Ein Kombi-Ticket wird angeboten. Am Checkpoint Charlie standen sich am 27. Oktober 1961, zwei Monate nach dem Mauerbau, sowjetische und amerikanische Panzer 16 Stunden lang gefechtsbereit gegenüber. Es war dies der heißeste Moment im Kalten Krieg. Bewohner der geteilten Stadt durften hier nicht passieren, sondern ausschließlich Ausländer und Diplomaten. Hier spielten sich Dramen gescheiterter Fluchtversuche – wie der von Peter Fechter – ab, den die DDR-Grenzschützer verbluten ließen. Die Ausstellung mit 500 Exponaten ruft aber nicht nur die Geschichte des allierten Grenzübergangs in Erinnerung, sondern insgesamt die Zeit des Kalten Krieges von 1948 bis zum Zerreißen des "Eisernen Vorhangs" nach 1989 in unser Gedächtnis zurück.

Restaurant-Tipp: Roter Jäger in Mitte (Rachs Restaurant-Schule)

Man erinnert sich: Christian Rach gab jungen Leuten die Chance, ein eigenes Restaurant aufzumachen. Was ist daraus geworden? Ein sehr anständiges Lokal. Wir waren gestern Abend zum ersten Mal dort und sind angenehm überrascht worden. In der Jägerstraße 28-32 (Nähe Gendarmenmarkt) gibt man sich viel Mühe, im Service und in der Küche.

Die Karte ist klein, aber fein: Man wählt zwischen drei Menüs (Fisch, Fleisch und vegetarisch). Die Preise sind angesichts der Leistung und Qualität fair bemessen:
3-Gang Menü mit Suppe € 27; 3-Gang Menü mit Vorspeise € 29; 3-Gang Menü ohne Dessert € 31,00; 4-Gang Menü € 34. Die Gänge sind auch einzeln zu haben.

Wir hatten Fisch und Fleisch und waren beide sehr zufrieden. Alles ist frisch zubereitet, handwerklich ansprechend gemacht und kommt leicht und locker daher. Mein Zander war knusprig auf der Haut gebraten, das Rindersteak meiner Frau wunderbar zart. Auch die Beilagen waren köstlich: bei mir ein Relish aus Papaya-Ananas-Gurken und Zitronengremolata, bei meiner Frau frittierte Kartoffeln, gebratene Steinchampignons und grüner Pfefferschmand.

Die Weinkarte ist zwar überschaubar, aber verrät den Kenner: Wir hatten mit einem Chardonnay & Sauvignon Blanc aus der Gascogne einen wunderbaren Begleiter. Das Hauscocktail auf der Basis von Campari und Sekt mit Rosmarin und Vanillehonig war zuvor bereits ein wirklicher Hit.

Fazit: Wir werden auf alle Fälle bald wieder ins Jagdrevier der Nachwuchsgastronomen gehen. Sie machen ihre Sache wirklich gut!

http://roterjaeger.de/

Unsere Hertha

Ich gebe es zu: Sie hat mir schon den Schlaf geraubt, diese Hertha! Als Fußball-Fan stehe ich hinter dem Hauptstadt-Verein, auch wenn er uns speziell letzte Saison nicht viel Freude gemacht hat.

Aber wo kommt eigentlich die Hertha her? Die Geschichte ist für Neuberliner interessant:
Am 25. Juli 1892 gründen die Brüder Fritz und Max Lindner sowie Otto und Willi Lorenz den Verein BFC Hertha 92. Ein Dampfer auf dem Wannsee, die blau-weiße "Hertha" stand bei der Vereinsgründung als Namensgeber Pate.
Seitdem hat der Verein, eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Aus BFC Hertha 92 wird 1923 nach der Fusion mit dem finanzkräftigen Berliner Sport-Club Hertha BSC. In der Folge erreicht der Verein sechsmal das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, bis er 1930 und 1931 gleich zweimal den Meistertitel bekam. Mit der Gründung der Bundesliga 1963 erlebt Hertha BSC von der Rückversetzung in die Regionalliga (1965-1968) bis zum Vizemeistertitel in der 1. Liga (1974/75) und der Teilnahme an der Champions League (1999/2000) alle Höhen und Tiefen des Fußballs.
Hoffen wir, dass bald wieder Höhen erklommen werden. Neuberliner, gebt der Hertha eine Chance!

Wer oder was nervt in Berlin? 10. und letzter Teil: Wir brauchen kein Schloss in der Berliner Republik

Wer hatte nur die Schnapsidee, das Hohenzollern-Schloss in Mitte wiederaufzubauen? Etwa Wilhelm von Boddien, der penetrante Promoter, der uns mit grotesken Gründen den Wahnsinn schmackhaft machen will? Er predigt seit Jahren, das Monstrum sei der natürliche Mittelpunkt der Stadt gewesen. Was für ein Unsinn, was für eine Fälschung der Fakten!

Die Geschichte ist über die 500jährige Epoche schon nach dem 1. Weltkrieg hinweggegangen. Die Berliner haben immer schon gegen dieses Schloss und seine "feinen" Bewohner opponiert. Die Könige und Kaiser haben es selbst kaum oder gar nicht geliebt. Was ist denn das für ein Signal: Ein Herrschaftssymbol der Monarchie, die so viel Schreckliches in Preußen und in Deutschland angerichtet hat, wird im Jahre 2013 (Grundsteinlegung) rekonstruiert?! Es gäbe in Berlin weiß Gott wichtigere Bauprojekte für diese Riesensumme (600 Millionen Euro bis dato - am Ende wird es doch wieder 1 Milliarde).

Man kann, gerade als Neuberliner, nur den Kopf darüber schütteln, auf welche Weise hier immer wieder das eigentlich gar nicht vorhandene Geld aus dem Fenster geworfen wird. Letzte Hoffnung: Das vorgesehene Gelände versinkt im Wasser und macht das Vorhaben unmöglich. Lieber gar nichts als ein atavistischer Klotz aus Stein im Herzen Berlins.

ENDE DER SERIE

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