Berlin

Beginners' Blog

Neuigkeiten für Neuberliner

Freier Eintritt in Berliner Museen

Sicher: Es ist Juli, es ist heiß in Berlin, wer denkt da an Museen?! Aber, liebe Neuberlinerin, lieber Neuberliner, der nächste Herbst bzw. Winter kommt - leider, leider! - bestimmt. Der nachstehende Link führt zu einer brauchbaren Übersicht. Es geht um Museen und Ausstellungen, die einen Besuch lohnen und zudem nichts kosten:
http://www.berlin.de/orte/museum/freier-eintritt/

DER Berlin-Bücherwurm-Blog

Abwechslung muss sein. Sie tut gut. Deshalb empfehle ich heute mal einen anderen Berlin-Blog. Er wird von einem der besten Berlin-Kenner gefüttert. Man findet dort nicht nur aktuelle Buchtipps, sondern ganz viele Geschichten, die eines gemeinsam haben: Sie haben immer mit Berlin zu tun, mit seiner Vergangenheit, aber auch mit der Gegenwart.
Es gibt Fotos von kuriosen Demos, Ankündigungen und Berichte über alle möglichen Events in der Stadt, Kulturkritiken und vieles vieles mehr. Also, Neuberliner, nüscht wie rauf auf die Seite, es lohnt sich täglich: http://www.berlinstory.de/blog.

Hmmh, Sardinien!

Für alle Liebhaber der Insel und für solche, die es werden wollen: Am Hausvogteiplatz Nr. 12 gibt es den "Sardegna Store", Info- und Bezugspunkt in mehrfacher Hinsicht: kulturell, touristisch und gastronomisch.
Zur Zeit zu sehen: Die Sonderausstellung "Sinne aus Sardinien". Naja, der Titel ist nicht glücklich ins Deutsche übertragen worden. Was gemeint ist, gibt man vielleicht besser mit einem leicht abgewandelten Goethe-Motto wieder: Sardinien mit den Sinnen suchen, und zwar mit allen.
Der Verfasser dieser Zeilen hat zwei Jahre seines Lebens auf der Insel verbracht. Was soll man sagen? Wer das Meer liebt, aber auch eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft - fruchtbare Ebenen und steile Felsen - , wer würzigen Schafskäse schätzt und kräftige Rotweine, wer ehrliche Gastfreundschaft wunderbarer Menschen sucht - der ist auf Sardinien genau richtig.
Fahren Sie einmal hin. Am besten am Ausgang des Sommers (September-Oktober).

Ihr
Thomas Knuth

Neueste Nachrichten aus der Kultur

Nur rasch die Kritiken meiner letzten Veranstaltungserlebnisse:

1. Gerd Dudenhöffer alias Heinz Becker im Kabarett "Die Wühlmäuse": platt, banal, ärgerlicher Klamauk. Dudenhöffer mimt den deutschen Spießbürger in der saarländischen Version. Was im Verbund mit Frau und Sohn in der bekannten Fernsehserie noch halbwegs witzig wirkt, ist beim Soloauftritt nur noch vulgär und peinlich. Das Lachen des Publikums sollte dem "Künstler" im Halse stecken bleiben.

2. Pigor und Eichhorn im "TIPI-Das Zelt": Pigor singt bissige Texte und Eichhorn begleitet ihn am Klavier. Was die beiden bieten, ist beste Unterhaltung, weil witzig und politisch zugleich. Highlights: Der IT-Song ("Nieder mit IT"), der Flughafen-Song ("Open this gate") und der Anti-Schloß-Song ("Baut den Palast der Republik wieder auf"). Eine tolle Begleitband (Gitarre, Bass & Schlagzeug) rockt kräftig, nicht nur im Background.

3. "Geschichten aus dem Wienerwald" (Ödon von Horvath) am Deutschen Theater (Regie: Michael Thalheimer): voll in die Hose gegangen die Arbeit von Thalheimer (der schon so viel Gutes in Berlin gemacht hat). Schreiende Schauspieler wo die Banalität des Bösen besser mit leisen Tönen daherkäme. Zeigefinger-Theater mit Holzschnitt-Charakteren (am Ende starren die Akteure hinter Masken auf das Publikum). Das doppelbödige Volksstück als eindimensionales Kleinbürger-Drama. Ohne Tiefe, reine Oberfläche. Eine große Enttäuschung, eine vergebene Gelegenheit für eine würdige Wiederaufführung dort, wo das Stück 1931 Uraufführung hatte. Am Stück und den Schauspielern lag es nicht. Thalheim hat es diesmal versiebt.

Die Rettung für alle Neuberliner!

Bücher: Das sind Erfahrungen, die man kaufen kann. Auf die Neuberliner-Bibel "Berlin for Beginners - Tipps für Stadteinsteiger" (Berlin Story Verlag, Euro 14,95) trifft dies mit Sicherheit zu.

Mittlerweile bereits in der 8. Auflage! Wiederum auf den neuesten Stand gebracht und brandaktuell für das laufende Jahr 2013. Ab sofort erhältlich. Mit jeder Menge Tipps und Tricks für all diejenigen, die erst vor kurzem hoffnungsfroh oder mit bangem Herzen in der Hauptstadt angelandet sind oder ihre Umsiedlung für die nahe Zukunft gerade planen. All diesen Menschen kann geholfen werden.

Wo man das Buch bekommt? Am besten in der fantastischen Buchhandlung "Berlin Story", Unter den Linden 40 in Mitte (neben dem berühmten Café Einstein). Online-Bestellung im Shop ist natürlich auch möglich (www.berlinstory.de). Aber den Laden sollte man schon einmal selbst in Augenschein nehmen: Es handelt sich um die einzige Buchhandlung (mit angeschlossenem Verlag) auf der Welt, die ausschließlich Bücher verkauft und selbst macht (Berlin Story Verlag), die sich thematisch immer auf die Stadt beziehen, in der sich dieser Laden befindet, eben Berlin! Eine wahre Fundgrube. Mit eigenem Berlin-Museum (ganz Berlin in 45 Minuten).

Unbedingt hingehen und anschauen. Und gleich die druckfrische Berlin-Fibel für Neuankömmlinge erwerben. Für sich selbst oder für Neuberliner Freunde, Bekannte oder Verwandte.

Ihr
Thomas Knuth

Worte eines Weisen

In der aktuellen Ausgabe des Wochenmagazins DIE ZEIT spricht sich der Altbundeskanzler Schmidt gegen den Wiederaufbau des Berliner Schlosses aus.
"Was soll das?" fragt Helmut Schmidt im Interview. Recht hat er. Was könnte man nicht alles mit dem vielen Geld anfangen?! Gerade in Berlin. Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen, Schulen und Straßen sind dringend reparaturbedürftig. Was macht man statt dessen? Man hört auf Heintje ("Ich bau Dir ein Schloss...") und verschwendet 600 Millionen für ein total anachronistisches Ungetüm. Es ist wirklich nicht zu glauben!

Berlin - Freiheit und Verantwortung

Ja, liebe Neuberliner,
es ist schon eine merkwürdige Stadt, die Ihr Euch da ausgesucht habt! Sie bietet viel Freiheit, wahrscheinlich so viel Freiheit wie keine andere Stadt in Deutschland. Das ist das eine, das schöne, das positive.
Leider geht die ausgelebte Freiheit nicht immer mit einem Gefühl der Verantwortung für die Zustände in dieser Stadt einher. Das ist die andere Seite Berlin. Vor kurzem hat es Fatina Keilani im Tagesspiegel auf den Punkt gebracht. Der Titel ihres Textes sagte eigentlich schon alles: "ICH!BIN!ZUSTÄNDIG!"
Die Journalistin bezog sich auf den Müll in der Stadt und seine Entsorgung. Ich würde die Zuständigkeit gerne breiter fassen: Jeder von uns ist dafür "zuständig", dass diese Stadt lebenswert für alle, offen und tolerant bleibt. Zu diesem Klima kann und sollte der Einzelne beitragen, indem er aktiv gegenläufige Tendenzen bekämpft. Also z.B. kein Hass auf Touristen. Ausgerechnet die GRÜNEN haben in Kreuzberg ein schlimmes Zeichen gesetzt: "Hilfe, die Touristen kommen!" Man kann es kaum glauben. Kampf auch dem Antisemitismus in allen seinen Formen. Nach all dem, was man Juden in Berlin und von Berlin aus angetan hat, ist das eine Pflicht für jeden von uns.
Es geht aber auch eine Nummer kleiner: Zuständig sein heißt, dass ich nicht immer sofort nach dem Staat, dem Land, der Stadt, der Bezirksverwaltung, dem Ordnungsamt, der BSR, der BVG etc. etc. rufe, wenn etwas im Argen liegt. Selber machen, selber aktiv werden, natürlich nur dann und dort, wo es dem Einzelnen möglich ist und zugemutet werden kann.
Ich habe nach zehn Jahren Berlin jedenfalls wirklich genug davon, dass die Schuld für Missstände und deren ausbleibender Abschaffung stets bei irgendwelchen Instanzen abgeladen wird, ohne sich zu fragen, was unser Teil als Bürger Berlins ist. In diesem Sinne einer eigenverantwortlichen Teilnahme am Stadtleben sollten wir in dieses Jahr 2013 hineingehen.

Gayle Tufts hilft gegen den Winterblues!

Neuberliner, falls Ihr sie noch nicht kennen solltet: Die amerikanische Entertainerin ist das beste Gegengift bei saisonbedingter Missstimmung. Sie hat es einfach drauf: In der wunderbaren Location TIPI - Das Zelt nahe am Bundeskanzleramt singt und springt und tanzt sie jedwede schlechte Laune weg.
Titel von Carole King wärmen das Herz, guter alter Rock ´n` Roll bringt den Kreislauf in Schwung. Unterstützt wird die quirlige Dame aus Massachusetts, die mit ihrer Mischung aus Deutsch und Englisch ("Denglisch") zwischen den Songs auch immer wieder Pointen setzt, von einer tollen Combo und zwei jungen Tänzern/Sängern (männlich und weiblich), die einen würdigen Rahmen für die kraftvolle Show abgeben.
Noch bis zum 20. Januar. Unbedingt hingehen!
Infos: http://www.tipi-am-kanzleramt.de/de/programm-tickets/

Auf ein neues!

Allen Neuberlinern, also diesen todesmutigen Menschen, die sich in die Höhle des Wowi gewagt haben, gelten meine besten Wünsche für 2013.

Keine Angst, es wird kein Unglücksjahr und für Unterhaltung aller Art ist immer bestens gesorgt in Berlin. Eine Empfehlung: Versuchen Sie nicht, diese Stadt zu verstehen. Ein solcher Versuch könnte Sie nämlich in die Verzweiflung stürzen.

Nutzen Sie einfach das vielfältige Angebot, entdecken Sie neue Ecken und fahren Sie einmal ins "Umland". Dort ist es nämlich auch sehr schön. Noch rasch ein Buchtipp zum Jahresanfang: Wilfried Rott. Die Insel - Eine Geschichte West-Berlins 1948-1990. Verlag C.H. Beck, München 2009.

Ihr
Thomas Knuth

Liebe und ihre Grenzen

Wieland Giebel, den meinen Freund zu nennen ich mich glücklich schätze, hat neulich im Stadtmagazin Zitty gesagt, dass seine Liebe zu Berlin unerschütterlich sei. Der rührige Verleger, Buchhändler und Autor mit Berlin-Themen lässt sich auch von Mega-Blamagen wie Schönefeld nicht beirren.

Nun lebt Herr Giebel einige Jahre länger als ich in Berlin und kennt die Stadt und ihre Eigenheiten bestimmt besser. Ich bin dennoch nicht seiner Meinung: Es hat sich inzwischen in der Art, wie man unsere Stadt regiert und verwaltet, eine Wurstigkeit und Beliebigkeit entwickelt, die auch den größten Liebhaber nachdenklich machen müsste. Es herrscht eine Schlamperei, die jeden, der dieser Stadt mit ihrer bis heute schwierigen Situation Sympathie entgegenbringt, wütend machen muss.

Schönefeld ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Mit einer Mischung aus Gigantonomie und himmelschreiender Inkompetenz werden beim Neubauen und beim Restaurieren reihenweise Millionen Euro Steuergelder in den märkischen Sand gesetzt. Wer glaubt denn noch an Märchen und daran, dass das Stadtschloss unter 1 Milliarde zu haben sein wird?!
Die Politik, die man hier seit längerem macht, gibt insgesamt keine erkennbare Richtung vor für die Zukunft Berlins. Überall wachsen abstruse Klötze in den Himmel, man vermisst ein Leitbild und die ordnende Hand einer kritischen Rekonstruktion á la Kleihues und Stimmann.
Die wirtschaftliche, städtebauliche, kulturpolitische Entfaltung der Stadt und ihres Potentials wird durch ein provinzielles und dilettantisches Sammelsurium von ad-hoc-Maßnahmen nicht gefördert, sondern behindert. Man wurstelt vor sich hin und hat keinen wirklichen Begriff davon, wohin die Reise gehen soll. Es wird bloß reagiert, nicht regiert. Der Verweis auf das attraktive Image Berlins und den anhaltenden Boom ist nicht ausreichend.

Wo und wie sollen die Menschen wohnen, die Berlin in den nächsten Jahren zu ihrem Lebens-Mittelpunkt machen? Was wird aus den noch reichlich vorhandenen Freiflächen in der Stadt? Wie stellen wir sicher, dass die Bezirke die essentielle Infrastruktur erhalten können? Und wie verhindern wir, dass sich immer größere Parallelgesellschaften bilden? Es fehlt in Berlin an bezahlbaren Wohnungen, es gibt jede Menge ungenutzte Brachen, den Bezirken haben kein Geld für die nötigsten Reparaturen und von gelungener Integration kann bei vielen ausländischen Mitbürger weiß Gott nicht die Rede sein.
All dies nicht erst seit gestern. Dennoch geben die uns Regierenden auf diese und auf weitere wichtige Fragen bis heute keine befriedigenden Antworten. Darüber kann man nicht glücklich sein, bei aller Liebe.

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