Berlin

Beginners' Blog

Neuigkeiten für Neuberliner

Engagieren Sie sich in Ihrem Bezirk!

12 Stadtbezirke gibt es in Berlin. In einem von ihnen lebt auch die Neuberlinerin/der Neuberliner. Ihre/seine ehrenamtliche Mitarbeit ist erwünscht, wird dringend gebraucht.
Die Bezirksverwaltungen bestehen nicht aus Beamten, die Däumchen drehen, sondern aus Menschen, die sich anstrengen, damit diese große Stadt funktioniert und floriert. Dazu gehören vielfältige Aktivitäten im sozialen und kulturellen Bereich. Die Menschen in den Bezirksämtern können dieses breite Angebot nicht alleine auf die Beine stellen und verwirklichen.
Deshalb soll von hier aus der Ruf ergehen: Neuberlinerinnen und Neuberliner, engagiert Euch. Schaut Euch an, was Euer Bezirk macht und überlegt, ob und wie Ihr einen Beitrag leisten könnt. Nebenbei bemerkt: Gerade als Neuankömmling ist dies ein empfehlenswerter Weg, um sich schneller einzuleben und Mitbürger kennenzulernen.
An die (ehrenamtliche) Arbeit!

Ihr
Thomas Knuth

Erdogan, Böhmermann und die Grenzen der Satire

Ja, es wird in diesen Tagen auch hier in Berlin wieder heiß diskutiert. Was darf Satire, was darf man öffentlich über den türkischen Staatspräsidenten sagen?

Dabei ist der Fall doch eigentlich klar: Was Böhmermann in seinem Schmähgedicht über Erdogan angeblich nur zu Demonstrationszwecken abgeliefert hat, hat doch mit Satire überhaupt nichts zu tun. Es ist schlicht nur ein ganz geschmackloser, dummer Text. Böhmermann ist ein Schreihals, ein Wichtigtuer, einer, der auf Wellen surft, die andere in Gang gebracht haben. Man glaube doch nicht, dass es ihm um die Sache, also um einen diktatorischen Staatspräsidenten geht, der in seinem Land die Meinungsfreiheit unterdrückt und es auf diese Weise immer weiter von Europa entfernt.

Es gibt in Deutschland eine ganze Reihe von scharfzüngigen Kabarettisten. Sie alle haben es nicht nötig, zu Formulierungen zu greifen, die über ihre obszöne Wortwahl hinaus keinerlei Erkenntnisgewinn verschaffen. Wo liegen also die Grenzen der Satire? Genau dort, wo sich als Satire tarnt was in Wahrheit nur das Werk eines narzisstischen Radaubruders ohne Tiefgang und Anstand ist.

Terror in Brüssel

Der Kommentar heute auf Spiegel Online bringt es auf den Punkt:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/bruessel-der-terror-und-der-nerven....

Brüssel ist eine tolle Stadt, aber die Sicherheitsbehörden sind schon seit Jahren völlig überfordert. Brüssel ist ein warnendes Beispiel, wie man es nicht machen darf. Auch für uns hier in Berlin. Denn dass es in unserer Stadt noch keine Anschläge gegeben hat, ist leider überhaupt keine Garantie für die Zukunft.

Den Bock zum Gärtner machen

Gestern hat man sich vor dem Brandenburger Tor an den 18. März 1848, den Höhepunkt der Deutschen Revolution, erinnert. In Berlin starben über 200 Menschen, dafür, dass sie für eine preußische Verfassung mit Grundrechten gekämpft hatten.

Ich habe mir heute die Augen gerieben, als ich sehen musste, dass einer, der nicht in diesen Zusammenhang gehört, die Frechheit besessen hat, als Festredner aufzutreten: Gregor Gysi. Ein Mann, der auf die allerengste Weise in der DDR mit der Stasi (MfS) zusammengearbeitet hat! Einer, der als "Rechtsanwalt" seine Mandanten an die Stasi verkauft hat!

Im Abschlussbericht des Immunitätsausschusses des Deutschen Bundestags von 1998 heißt es unter anderem:
Gysi habe "seine herausgehobene berufliche Stellung als einer der wenigen Rechtsanwälte in der DDR genutzt, um als Anwalt auch international bekannter Oppositioneller die politische Ordnung der DDR vor seinen Mandanten zu schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat er sich in die Strategien des MfS einbinden lassen, selbst an der operativen Bearbeitung von Oppositionellen teilgenommen und wichtige Informationen an das MfS weitergegeben. Auf diese Erkenntnisse war der Staatssicherheitsdienst zur Vorbereitung seiner Zersetzungsstrategien dringend angewiesen. Das Ziel dieser Tätigkeit unter Einbindung von Dr. Gysi war die möglichst wirksame Unterdrückung der demokratischen Opposition in der DDR.“

Und heute wagt es dieser Wicht, uns an die tapferen Männer und Frauen der Märzrevolution von 1848 zu erinnern. Und bekommt dafür noch eine Bühne. Man möchte laut schreien...

Was soll das?

Wieder der TAGESSPIEGEL. Schlagzeile heute: "Schwarzer Montag an den Börsen". Ist die Redaktion der BILD-Zeitung zu Gast oder macht in Vertretung die Zeitung?
Die Bezeichnung "Schwarzer Montag" geht auf den 19. Oktober 1987 zurück. An diesem einen Tag fielen die Aktienkurse weltweit dramatisch, die Rückgänge lagen zwischen 22 und 41 Prozent. Es handelte sich um den ersten wirklichen Crash seit dem Ende des 2. Weltkriegs.
Mit dieser Namensgebung erinnerte man an den "Schwarzen Donnerstag", den 24. Oktober 1929, als sich die Weltwirtschaftskrise von der New Yorker Börse innerhalb kürzester Zeit ausbreitete. In Europa, wo die Börsen einen Tag später kollabierten, wurde es ein "Schwarzer Freitag".
Was ist gestern passiert? Irgendetwas auch nur entfernt Ähnliches? Nein, überhaupt nicht. Der DAX fiel um 3,3 Prozent, der DOW JONES um 1,10 Prozent. Daraus macht der TAGESSPIEGEL einen "Schwarzen Montag".
Was, um Himmels Willen, soll das? Beim nächsten Langstreckenraketen-Test der Nordkoreaner muss es dann wohl heißen: "Die Menschheit vor der Auslöschung"
Seriöser Journalismus sieht anders aus. Liebe Redakteure, besinnt Euch auf Eure Aufgabe, uns mit angemessenen Worten und Vergleichen zu unterrichten! Unterlasst dieses leicht durchschaubare Gebaren, mit vermeintlich knackigen Titeln auf Leserfang zu gehen!

Wie wahr!

Den entsetzlichen Besitzstandswahrern von Berlin ins Stammbuch geschrieben (Erläuterung: Das sind die bescheuerten Egoisten, die es an vielen Orten in Berlin verhindern, dass dringend notwendige Wohnungen gebaut werden, z.B. auf dem riesigen Tempelhofer Feld):

"Hätte es direkte Demokratie schon in der Anfangszeit Berlins gegeben, würden die Leute jetzt immer noch in ihren Hütten im Urstromtal sitzen und sagen: ‚Nee, wollen wir nicht!‘“
Jens-Holger Kirchner (Grüne), Pankower Stadtrat für Stadtentwicklung, heute im "Tagesspiegel"-Interview.

Caspar David Friedrich

Es ist einfach unglaublich, was die Restaurierung der beiden Gemälde "Mönch am Meer" und "Abtei im Eichwald" bewerkstelligt hat. Unbedingt anschauen. Alte Nationalgalerie, 3. Stock.

Wenn man diese Bilder geliebt hat, wird man sie neu entdecken. Das Museum hat eine kleine Ausstellung zum Ablauf der "Rettungsmaßnahmen" hinzugefügt. Auch kann man einen Vergleich "Vorher-Nachher" ziehen.

Und natürlich gibt es auch weitere Werke des phantastischen Caspar David Friedrich zu sehen. Nicht zu reden von den übrigen ausgestellten Malern des 19. Jahrhunderts.

Deutsch für Neuberliner

Wie, was? Das kann doch nicht wahr sein, liebe Neuberliner: Sie kommen noch ohne Wörter wie "Narrativ" aus oder, jetzt ganz neu: "sexualisierte Gewalt"? Das geht ja gar nicht. Sie leben hinterm Mond.

Im Ernst: Ich lese die Zeitung, sehe fern oder höre Radio. Und alle, die sich für kulturell wichtig halten, plappern in diesem dummen Neusprech. Ich könnte mich kringeln. Gestern taucht im Heute-Journal dann aus dem Nichts eine "Bloggerin" auf und gebraucht das völlig unsinnige Ungetüm "sexualisierte Gewalt" gefühlte hundert Mal.

Lassen wir uns nicht von diesem wüsten Missbrauch unserer Sprache überwältigen, sprechen und schreiben wir so, wie es uns gegeben ist und nicht so, wie es uns die entsetzlichen Modemacher jedweder Spielart vorschreiben wollen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Mir ist das wichtig.

Ihr
Thomas Knuth

Buchtipp: Böses über Berlin

Karl Scheffler. Berlin - ein Stadtschicksal. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Florian Illies. Erste Auflage 2015. Suhrkamp Verlag Berlin

Der Text stammt aber aus dem Jahr 1910. Scheffler war ein selfmademan, der sich vor allem als Kunstkritiker und Kunstförderer einen Namen machte. Für Neuberliner, die sich mit der Entstehung der Stadt beschäftigen wollen, um besser zu verstehen, wo sie hier gelandet sind, bietet das Buch viele Einsichten.

Der Leser wird sich oft über die radikalen Ansichten Schefflers wundern. Was er über Berlin sagt, ist nicht sehr schmeichelhaft. Allerdings muss man kritisch dagegen haltend feststellen, dass sein Maßstab zur Beurteilung von einem Idealbild von Stadt ausgeht, das in dieser Art nur sehr selten in der Wirklichkeit anzutreffen war und ist. Paris und London waren Anfang des 20. Jahrhunderts sicherlich aufregende Orte, aber auch dort gab es ganze Stadtviertel und teilweise eine Architektur, die Schefflers hohen Ansprüchen nicht genügten.

Dennoch möchte ich dieses Buch jedem Neuberliner sehr empfehlen. Sein berühmtester Satz lautet wie bekannt: "...Berlin dazu verdammt: immerfort zu werden und niemals zu sein".

Ihr
Thomas Knuth

Auf ein Neues!

Ich wünsche allen Neuberlinern, auch den zukünftigen, dass sie sich in dieser besonderen Stadt möglichst schnell einleben und hier auf Dauer heimisch werden.

An dieser Stelle und bei dieser Gelegenheit des Neuanfangs ein Zitat aus "Das Prinzip Hoffnung" des von mir sehr verehrten Ernst Bloch:
"Der Mensch lebt noch überall in der Vorgeschichte, ja alles und jedes steht noch vor Erschaffung der Welt, als einer rechten. Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat."

Mit dieser wunderbaren Weisheit von Bloch starten wir also in das Neue Jahr, voller Zuversicht und mit der Kraft, die aus der Einsicht stammt, dass wir diese Welt zum Besseren verändern können.

Ihr Thomas Knuth

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