Berlin

Wohin mit den Neuberlinern?

Heute, Sonntag, 5.11. im TAGESSPIEGEL: Interview mit dem ehemaligen Senatsbaudirektor Hans Stimmann. Der weiß, wovon er redet und legt den Finger in die Wunde, sprich in die völlig verfehlte Wohnungsbaupolitik des aktuellen Berliner Senats.

Es dürfte sich herumgesprochen haben: Berlin gewinnt jedes Jahr netto ca. 40.000 Menschen hinzu (Differenz zwischen Weg- und Zuziehenden und zwischen Gestorbenen und Neugeborenen). Und es ist auch bekannt, dass es viel zu wenig bezahlbare Wohnungen in der Stadt gibt. Was tut der Senat? Weniger als nichts: Er verhindert, dass neugebaut wird. Jüngster Fall: Die Pläne des Investors Christian Gérôme, der gerne auch preiswerten Wohnraum im nördlichen Bereich des Thälmann-Parks schaffen wollte, wurden zunichte gemacht. Frau Lombscher, die Senatorin für Behinderung der Stadtentwicklung, hat sich geweigert, das Verfahren an sich zu ziehen. Sie gehört der Partei DIE LINKE an und hat im Thälmann-Park, also im ehemaligen Ost-Berlin, natürlich Wähler, die sie nicht mit Baumaßnahmen verschrecken möchte.

Im West- wie im Ostteil unserer Stadt gibt es lautschreiende Besitzstandswahrer, die wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Im Westen wohnen sie in der Nähe des früheren Tempelhofer Flughafenfeldes und haben verhindert, dass dieses riesige Areal für Wohnungsbau genutzt wird. Im Osten gibt es im Bezirk Pankow ihre Kollegen in der Elisabeth-Aue, die sich zutiefst egoistisch gegen die Bebauungspläne des Senats sperren. Wie heißt es dazu in der Koalitionsvereinbarung der rot-rot-grünen Stadtregierung: "Das Potenzialgebiet Elisabeth-Aue wird zur Bebauung in dieser Legislaturperiode nicht weiter verfolgt."

Es ist eine Schande, es ist ein Skandal, es schreit zum Himmel, was da passiert bzw. nicht passiert. So wird es nichts mit einer einigermaßen vernünftig gesteuerten Entwicklung Berlins! Die Politik muss jetzt dafür sorgen, dass private Investoren zu akzeptablen Kosten bauen können, damit die Mieten nicht noch weiter steigen. Nur so kann verhindert werden, dass die innerstädtischen Bereiche nur noch für Doppelverdiener ohne Kinder in Frage kommen. Hans Stimmann sagt, wie das konkret funktionieren kann. Ich hoffe, dass seine Stimme im Roten Rathaus gehört wird. Es ist wirklich höchste Zeit.