Berlin

Buchtipp, speziell für Neuberliner!

Felix Escher: Die Mitte Berlins. Geschichte einer Doppelstadt, Berlin: Elsengold 2017, 176 S.,
100 Abb., 25 Karten und Pläne, 29,95 €.

Man will vielleicht doch einmal etwas genauer wissen, wie sich diese Stadt von ihren Anfängen bis in die jüngste Zeit entwickelt hat. Dafür bietet sich das neue Buch des Historikers Escher an. Er behandelt die Geschichte des Stadtkerns und vor allem dessen frappierende und nicht immer gelungene Transformation in sechs Kapiteln: Stadtentwicklung (1150 bis 1440), Residenz eines wachsenden Territoriums (1440 bis 1860), von der Groß- zur Weltstadt (1860 bis 1920), Ende des Geschäftszentrums (1920 bis 1945), Verlust der Mitte (1945 bis 1990) und die Entwicklung von 1990 bis zur Gegenwart.

Der Elsengold-Verlag macht wirklich sehr schöne Bücher, die sich durch ihre üppige, ansprechende Ausstattung auch sehr zum Verschenken eignen. Auch das vorliegende Geschichts- und Geschichten-Buch ist allein wegen der Gestaltung zu loben. Darüber hinaus liefert das Werk inhaltlich Schönes und Neues zugleich:
Escher beschreibt den raschen Aufstieg der Doppelstadt Berlin-Cölln zu einem regionalen Handelszentrum und berücksichtigt dabei die neuesten Erkenntnisse der Archäologen. Das Schloss der Hohenzollern, das man wiederaufgebaut hat, wurde im 15. Jahrhundert zentraler Sitz der Regenten und der wichtigsten Verwaltungsorgane. Im Zuge der Ausdehnung Berlins wurde der historische Kern mit seinen engen Straßen im 19. und 20. Jahrhundert weniger geschätzt. Infolge des Zweiten Weltkriegs und als Resultat der Aufbauphase
in der DDR blieb von der historischen Bausubstanz wenig übrig.

Nach dem Mauerfall entwickelte der Senatsbaudirektor Hans Stimmann mit seinem „Planwerk Innenstadt“ ein Konzept zur baulichen Verdichtung und Belebung des Stadtzentrums. Unter dem Titel „Alte Mitte – Neue Liebe“ initiierte der Senat dann erst 2015 eine Reihe von Diskussionen für die Fläche zwischen Fernsehturm und Spree, die allerdings keine umsetzbaren Ergebnisse, sondern nur allgemeine Richtlinien erbrachten. Der Autor Escher resümiert: „Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt wird über das Ergebnis der Stadtdebatte erfreut sein, hat sie doch nichts Neues zu veranlassen.“ Die Debatte um die Gestaltung der Mitte Berlins ist allerdings weiterhin offen und im Gange. Auf ihren Ausgang und die konkreten Folgen darf man gespannt sein.