Berlin

Buchtipp, speziell für Neuberliner!

Tobias Allers. Neuberliner - Migrationsgeschichte Berlins vom Mittelalter bis heute.
Berlin: Elsengold Verlag 2017, 175 Seiten, 29,95 €.

Dass Berlin vom Anfang seiner Geschichte an das Ziel von Zuzüglern aus allen Himmelsrichtungen war, dürfte kein Geheimnis mehr sein. Wer diese Neuberliner aber genau waren, was sie an die Spree gebracht hat und wie sie hier zurechtkamen, ist schon nicht mehr so bekannt. Tobias Allers, junger Historiker und Stadtführer, ist diesen Fragen nachgegangen und hat das Ergebnis seiner Recherchen jetzt vorgelegt. Sein Buch beeindruckt durch reichhaltige Bebilderung und kompakte Präsentation der Inhalte, in einer Sprache ohne Fach-Chinesisch.

Anders als heute, da die deutsche Hauptstadt vielfach ein frei gewähltes Mekka vor allem für junge Menschen geworden ist, kamen in früheren Zeit Menschen überwiegend aus Not und Zwang. Die Hugenotten wurden Ende des 17. Jahrhunderts blutig aus ihrer Heimat Frankreich vertrieben, im 18. Jahrhundert suchten protestantische Böhmen in erster Linie religiöse Freiheit in Berlin und im 19. Jahrhundert wanderten viele Brandenburger Bauern ein auf der Suche nach einem besseren Leben, trotz ihrer Befreiung von vormaliger feudaler Abhängigkeit. Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg brachten eine gewaltige Zuwanderung aus dem Osten, wiederum nicht das Resultat selbstbestimmter Wahl.

Auch die Gastarbeiter aus den südeuropäischen Ländern, die seit den 1950er Jahren ankamen, wurden von der Perspektivlosigkeit in ihrer Heimat getrieben. Alle Neuberliner haben in der Stadt ihre Spuren hinterlassen und sie nachhaltig geprägt und verändert. Wer sich diese Tatsache gerade in einer Zeit, in der die Themen Migration und Integration im Zentrum der politischen Diskussion stehen, noch einmal im Detail erzählen lassen will, wird von dem Buch sehr gut bedient.

Der Autor liest übrigens aus seinem Buch am 28. September um 17.30 Uhr in der Urania Berlin e.V. (Nähe U-Bahnhof Wittenbergplatz), Eintritt: € 8,00.