Berlin

Adieu Philharmoniker auf der Waldbühne

Viele Jahre lang war das Saison-Abschluss-Konzert der Berliner Philharmoniker auf der Waldbühne etwas, auf das man sich freuen konnte: Erst das Picknick im Kreise entspannter Menschen und dann das wunderbare Orchester. Dies ist nun leider definitiv Geschichte.

Erst hat man das ganze Konzert in ein fernsehgerechtes Korsett gezwängt: Es kann erst losgehen, wenn die Kameramänner so weit sind. Der Ablauf muss dann auf die Fernsehminute genau funktionieren. Die unsägliche Petra Gute in ihrer völlig verfehlten Rolle als RBB-Kulturreporterin stöckelt zwischen den Reihen, um ihren entbehrlichen Senf dazuzugeben. Vergangen sind die Zeiten, als das Orchester so viele Zugaben spielte, wie es lustig war, als der Abend eben den Geist der Berliner Luft atmete: frei und frech, leicht und locker.

Mittlerweile zieht der Veranstalter, die concert concept Veranstaltungs GmbH, von Mal zu Mal die Daumenschrauben enger, damit die Besucher möglichst wenig Speisen und Getränke mitbringen und sich stattdessen bei den teuren Verkaufsständen innen versorgen. Wie das aussieht? Diejenigen, die sich ihr Picknick in Rucksäcken mitbringen, müssen sich 1 Stunde lang zentimeterweise zu den Toren bewegen. Allein diese lange Wartezeit war eine Frechheit, die nur von der Präsenz eines Glatzkopfes mit Flüstertüte übertroffen wurde, der dazu aufforderte, die Rucksäcke so "vorzubereiten", dass die Kontrollen zügiger vonstatten gehen könnten.

Am Eingang endlich angekommen, musste man eine rigorose, hochnotpeinliche Durchsuchung der Rucksäcke bzw. Taschen über sich ergehen lassen. Bislang war es erlaubt, pro Person eine 0,5-Liter-Plastikflasche mit Getränken (auch alkoholischen) mitzubringen. Beim letzten Konzert am 27. Juni war plötzlich Alkohol verboten. Entsprechende Flaschen wurden eingezogen. Schlechte Stimmung bei den Betroffenen.

Eine weitere perfide Maßnahme der Veranstalter, damit in Zukunft das traditionelle Picknick unattraktiv wird: Man hat eine "fast lane", also eine schnelle Spur eingerichtet. Wer nichts dabei hat, also keinen Rucksack und keine Tasche, kommt (sehr viel) rascher auf seinen Platz. Damit ist er aber auf das Angebot der Verkaufsstände angewiesen, was der Zweck der Übung ist. Die zeitaufwändigen Kontrollen der Rucksäcke hatten übrigens zur Folge, dass eine erhebliche Zahl von Besuchern beim Beginn des Konzerts die Plätze noch nicht eingenommen hatte.

Meine Konsequenz (und die vieler Freunde): Nächstes Jahr schauen wir uns das Konzert nicht mehr auf der Waldbühne, sondern im Fernsehen an. Das Picknick gestalten wir dabei nach eigenen Wünschen, ohne die Restriktionen eines Veranstalters, dem wir kein Geld mehr in sein gieriges Maul werfen werden.
Ja, so ist es halt: Eine schöne Tradition wurde systematisch den kommerziellen Interessen eines Veranstalters geopfert. Die Berliner Luft ist damit leider raus, das spezielle Waldbühnen-Gefühl ist weg. Sehr schade.