Berlin

Berlin - Freiheit und Verantwortung

Ja, liebe Neuberliner,
es ist schon eine merkwürdige Stadt, die Ihr Euch da ausgesucht habt! Sie bietet viel Freiheit, wahrscheinlich so viel Freiheit wie keine andere Stadt in Deutschland. Das ist das eine, das schöne, das positive.
Leider geht die ausgelebte Freiheit nicht immer mit einem Gefühl der Verantwortung für die Zustände in dieser Stadt einher. Das ist die andere Seite Berlin. Vor kurzem hat es Fatina Keilani im Tagesspiegel auf den Punkt gebracht. Der Titel ihres Textes sagte eigentlich schon alles: "ICH!BIN!ZUSTÄNDIG!"
Die Journalistin bezog sich auf den Müll in der Stadt und seine Entsorgung. Ich würde die Zuständigkeit gerne breiter fassen: Jeder von uns ist dafür "zuständig", dass diese Stadt lebenswert für alle, offen und tolerant bleibt. Zu diesem Klima kann und sollte der Einzelne beitragen, indem er aktiv gegenläufige Tendenzen bekämpft. Also z.B. kein Hass auf Touristen. Ausgerechnet die GRÜNEN haben in Kreuzberg ein schlimmes Zeichen gesetzt: "Hilfe, die Touristen kommen!" Man kann es kaum glauben. Kampf auch dem Antisemitismus in allen seinen Formen. Nach all dem, was man Juden in Berlin und von Berlin aus angetan hat, ist das eine Pflicht für jeden von uns.
Es geht aber auch eine Nummer kleiner: Zuständig sein heißt, dass ich nicht immer sofort nach dem Staat, dem Land, der Stadt, der Bezirksverwaltung, dem Ordnungsamt, der BSR, der BVG etc. etc. rufe, wenn etwas im Argen liegt. Selber machen, selber aktiv werden, natürlich nur dann und dort, wo es dem Einzelnen möglich ist und zugemutet werden kann.
Ich habe nach zehn Jahren Berlin jedenfalls wirklich genug davon, dass die Schuld für Missstände und deren ausbleibender Abschaffung stets bei irgendwelchen Instanzen abgeladen wird, ohne sich zu fragen, was unser Teil als Bürger Berlins ist. In diesem Sinne einer eigenverantwortlichen Teilnahme am Stadtleben sollten wir in dieses Jahr 2013 hineingehen.