Berlin

Wer oder was nervt in Berlin? Teil 9: Dünne Blätter - Keine Hauptstadtzeitung in Sicht

Am ehesten hätte man es dem liberalen Tagesspiegel zugetraut: nach dem Mauerfall zu einer wirklichen Zeitung für die Hauptstadt zu mutieren. Leider ist die Zeitung statt besser immer schwachbrüstiger geworden und konkurriert vom Umfang her inzwischen mit dem dünnsten Buch der Welt ("Über die Heldentaten der italienischen Armee im 2. Weltkrieg").
Die Berliner Zeitung ist keine Alternative. Dort schreiben mehr und mehr Praktikanten schlechte Artikel. Es wird gespart, auf Kosten der Qualität. Der Chef hat die Parole ausgegeben: "Schreibt provokant!" Das Resultat ist deprimierend.
Der Berliner Morgenpost (in Fachkreisen: "Mottenpost") kann man immerhin einen ausführlichen Lokal-Teil gutschreiben. Ansonsten hat das Springer-Blatt wenig zu bieten, was es in eine Reihe mit Süddeutscher Zeitung (SZ) oder FAZ befördern könnte.
Ja, liebe Neuberliner, was bleibt also übrig, wenn man sich nicht täglich neu über die provinzielle, inhaltlich armselige und vordergründige Berichterstattung in den einschlägigen Berliner Zeitungen ärgern will (taz und Neues Deutschland lassen wir mal ganz außen vor)? Ein kleiner Tipp: Die SZ bietet ein Wochenend-Abo (Freitags- und Samstagsausgabe). Damit kann man den Frust ein wenig lindern.

Demnächst: 10. und letzter Teil / Wir brauchen kein Schloss in der Republik - irrwitziger Wiederaufbau